Krimi to Go – T (1/3)

T wie Tod, Totenschein und Testament

Wie ich schon sagte – der Tod gehört für mich zum guten Krimi. Ausnahmen kenne ich nur wenige, da sind z.B. die wirklich wunderbaren Geschichten, die in Botswana spielen. Mma Ramotswe, eine erdachte Figur von Alexander McCall Smith, hat mich mehrere Bände lang fasziniert. Es gibt zwar auch Morde und daher Tote, aber es gibt auch Geschichten, die sich um ganz „banale“ Verbrechen drehen, und sich für mich trotzdem herrlich lesen. Das ist die Ausnahme zur Regel. Würde ich eine Geschichte ohne Mord verfassen, würde ich vermutlich automatisch McCall Smith kopieren, was wirklich ausnehmend unanständig und platt wäre.

Wie viele Tote und Tode mute ich meinen Lesern zu?

Im Fall Caesar Beyer haben wir mit dem Namen auch schon die Leiche. Sind weitere Morde sinnvoll? Ich denke schon, vor allem wenn wir an die Mafia denken, sie begnügen sich nicht mit einem Mord, wenn es um große Summen geht. Bisher haben wir noch nicht genügend Mitspieler, um mehrere Morde zu ermöglichen. Auf jeden Fall wäre mir ein Sympathieträger welchen Geschlechts auch immer angenehm, der gerade entkommt, knapp gerettet kurz vor Auflösung des Krimirätsels. Sie ist schnell gefunden: Elaine, die älteste Tochter der Familie Beyer. Sie war mit ihrem Vater sehr vertraut, kennt daher die Nummer seines Safes oder hat einige Dokumente zur Verwahrung von ihrem Vater erhalten, von deren Brisanz sie noch gar keine rechte Vorstellung hat. Sie gerät in das Zielgebiet des Mörders oder der Mörder und kann in letzter Minute von Jan Frederick, einem klugen und gutaussehenden Polizisten gerettet werden. Nach der Rettung hält er sie im Arm und ihre Blicke verschmelzen ineinander… halt, das ist Schmonzette, nicht Krimi! Andererseits tut ein bisschen Schmonzette jedem Krimi gut.

In den Fortgang der Geschichte lassen sich sicher noch ein paar Mordopfer einbauen. So leid es mir tut, Nurul steht auf der Liste ganz oben an, und sei es nur, weil Boris sie häufig kontaktiert. Dann gibt es noch mögliche Figuren, die erst noch eingeführt werden sollen. Ihr Tod ist noch nicht beschlossen, aber möglich: ein Juwelenhändler in Amsterdam, ein leitender Polizeibeamter, eine ältere Dame, die zufällig den Mord beobachtet hat – wie sich erst ab Seite 132 herausstellt – und Mark Koschnitzki, ein Sicherheitsbeamter, dessen Rolle auch noch festzulegen ist. Seinen ersten Auftritt hat er schon auf einer der ersten zwanzig Seiten, ganz nebensächlich, er rückt später immer weiter in die Mitte des Geschehens, bis er auf Seite 114 zur zweiten Leiche wird. Wie passt er in die Geschichte? Eine Mafia lässt jeden Tod möglich werden. Sollte Boris doch der Täter sein, könnte Mark sein Freund sein, der erst nichts ahnt, ihm dann ganz allmählich auf die Schliche kommt. Oder er ist ein Mitwisser, der zu viel weiß – egal von wem. Vom Täter am besten.

Das sind schon vier weitere Morde, was wirklich auch meinen Bedarf an Toten deckt.

Im Falle der Familie Mustermann ist so viel Blut geflossen, dass dort kein weiterer Mord auftaucht. Sonst hätten wir es mit einem Serien-Amok-Täter zu tun: Das ist langweilig oder zu aufreibend. Allerdings wäre das dann eine gute Grundlage für ein Computerspiel. So als Autor sollte man die Vermarktung immer im Hinterkopf haben. Während sich Caesar Beyer und auch Manfred Kleinhaus meiner Meinung nach gut für einen Film eignen, ist mir das bei Mustermanns nicht so recht. Wer die Computerspiele Duke Nukem oder Doom noch kennt, sieht mein Argument sofort. Die Ich-Person mit dem Maschinengewehr in der Hand entdeckt Frau Mustermann und ballert sofort los, weil offensichtlich hinter den Fenstern und Türen des Hauses noch einige Mörder stecken. Passenderweise sind dies alles Figuren mit schlechten Zähnen, deformierten Schädeln und nur einem Wunsch: Umbringen! Die Ich-Person ballert nun um sich, gewinnt dabei Lebens- und Stärkepunkte. Bei jeder Leiche finden sich außerdem zwei bis drei Items, die die dussligen Mörder zurückgelassen haben und nun vom Ich-Spieler aufgesammelt und sinnvoll verwertet werden können. Ich denke, dass dies eindeutig nur ein Ballerspiel (Shooter) werden kann, Strategiespiele sind anders. Darum mag ich die Art Spiele auch nicht, immer getreu dem Motto: Wenn ich mein Gehirn anstrenge, will ich Geld sehen. Im Hause Mustermann gibt es jede Menge Ecken, Winkel und geheime Gänge, die zu einem Kellerraum führen. Dort gibt es einen Schatz zu heben. In jedem Raum sind ebenfalls Dinge versteckt, außerdem einige Gruselgestalten, die es niederzumetzeln gilt. Jeder Raum entspricht einem Level, das letzte Level ist das Auffinden des Kellers, in dem der Schatz liegt, der mit vielen Rätseln verdeckt ist.

Erkenntnis für jedermann

Groß wird geunkt, dass wir das Handy mal einfach zur Seite legen sollen, weil  wir sonst abhängig werden, dem Verderben anheim fallen und was es sonst noch so gibt. Sklaven des Handys!

Dabei reicht es vollständig, den Lautsprecher abzuschalten.

Lebensweisheit

Du schlägst mit der Faust gegen eine Gummiwand.
Sie ist starr und gibt nicht nach.
Du drückst sanft mit der Faust gegen diese Wand.
Sie biegt sich geschmeidig unter dem Druck deiner Hand.
Deshalb schrei mich nicht immer an.

 

Krimi to Go – S (2/2)

Im Falle der ermordeten Familie Mustermann gibt es wunderbar-gruselige Spuren: Schuhabdrücke aus Blut, DNA irgendwo, die sich keinem Familienmitglied zuordnen lässt. Es steht noch nicht fest, wie die Familie ermordet wurde. Da es so voller Blut ist, sind Schusswaffen unwahrscheinlich. Andererseits musste der Täter / die Täterin schnell vorgehen, damit die anderen Familienmitglieder oder auch Nachbarn nicht alarmiert wurden. Da dem Postboten quasi das Blut in den Adern gefriert, als er beim Betreten des Grundstücks um die Ecke geht, muss es schon ein recht scheußlicher Anblick gewesen sein. Schrotflinte? Ich meine mich zu erinnern, dass sie ziemlich fetzt, aber auch recht laut ist. Wenn wir von einem wahnsinnigen Täter oder von einem, der vorgibt, wie ein Wahnsinniger zu handeln, ausgehen, hat er die beiden Kinder – falls sie doch zu Hause waren – mit Schalldämpfer auf der Pistole, zusätzlich durch ein mit Betäubungsmittel getränktes Kissen, erschossen. Herrn Mustermann hat er in der Badewanne angeschossen und dann nochmals gezielt – da haben wir viel Blut im Wasser. Und Frau Mustermann… nun das möchte ich lieber nicht ausführen. Die Arme war die Letzte und war Opfer eines Blutrauschs. Aus Rücksicht auf die Nerven meiner meisten Leser wird sich herausstellen, dass sie schnell starb und der Täter dann – eben wie im Rausch – noch mehrmals auf sie einstach.

Puh, das ist alles hart. Die Tatwaffe findet die Polizei achtlos hinweggeworfen im Treppenhaus. Am Geländer im Haus ist eine defekte Stelle (der Handwerker war schon für die Reparatur bestellt), wo ein Holzsplitter hervorsteht, der unbemerkt ein oder zwei Fädchen aus der Kleidung des Täters herausgetrennt hat. Welch‘ wunderbare Spur, die uns direkt zu einem schwarzroten Flanellhemd führt. Es ist noch unklar, ob dieses Flanellhemd wirklich eine brauchbare Spur ergibt, denn diese Hemden gab es in jenem Winter (vor dem Herbst, in dem sich die Tat ereignete) in mehreren Kaufhausketten im Sonderangebot. Immerhin können wir Spezialisten beschreiben, die übers Mikroskop gebeugt die Fäden untersuchen.

Manfred legt für seinen Versicherungsbetrug viele falsche Spuren, er will die Umwelt glauben machen, er sei gestorben. Er hat ein halbes Jahr auf den Tag X hingearbeitet und für Caesar und Nadine ist es wirklich ein Stück meisterlicher detaillierter Detektivarbeit, die echten von den falschen Spuren zu trennen. Sie machen das so hervorragend, dass es am Ende niemanden wundert, dass sie für immer zusammenbleiben möchten. Als richtig fette Spur dient natürlich das Radarfoto. Caesar arbeitet als Versicherungsdetektiv häufig mit der Polizei zusammen und erhält so die Möglichkeit, mehr über das Auto zu erfahren, das auf dem Bild nur schwer zu erkennen ist, auch wenn das Nummernschild hell erleuchtet ist. Wen wundert es weiter, dass diese Nummer zweimal existiert? Diese Spuren gilt es sorgsam auszuleuchten. Dann sind da natürlich noch die Spuren des Mords an Manfred. Am besten wird er irgendwann in einem Auto aus einem einsamen See in der Nähe von Nürnberg gezogen (bevor ich mich auf Nürnberg festlege, muss ich einmal schauen, ob es dort überhaupt Seen gibt, die tief genug sind, um ein Auto länger zu verschlucken, sonst wird einfach die Stadt geändert). Die Gerichtsmediziner stellen fest, dass er wie häufig üblich vor dem Ertränken bereits tot war. Ein Schlag auf den Hinterkopf setzte seinem Leben ein Ende. Das Auto war mit betongefüllten Fässern beschwert, das ergibt zahlreiche brauchbare Spuren. Gefunden wurde es nur, weil der See saniert, trockengeleert und dann wieder gefüllt werden sollte, was dem Täter bzw. der Tätergruppe offensichtlich nicht bekannt war. Im Auto finden sich einige Spuren, wie ein benutzter Lippenstift im Handschuhfach. Ein Prepaid-Handy liegt ebenfalls im Handschuhfach und es muss nun untersucht werden, ob noch lesbare Daten zu finden sind. Immerhin lag der Wagen mehr als zwei Monate tief im Wasser und die Unterwasserpflanzen und Algen hatten bereits begonnen, das Metallteil zu erkunden und zu besetzen (hier ist noch zu prüfen, wie lange es wirklich dauert, bis sich Algen an einem Wagen festsetzen).

Da die Personalausweise heute fast wasserfest konzipiert sind, lässt sich auf den mitgeführten Papieren, die die Täter ihm nicht weggenommen haben, noch der falsche Name entziffern, dessen Spur zu einem Flug nach Brasilien führt. Johannes Schmitz, ein guter Name, wie Manfred einmal fand. Anhand des falschen Namens lassen sich auch diverse Konten entdecken, auf die Manfred nicht nur das Geld aus seiner Lebensversicherung eingezahlt hatte. Offenbar, so stellt sich heraus, hat er auch größere Summen aus einer Erbschaft unterschlagen, die er hätte aufteilen sollen. Ein Mann, von dem alle Nachbarn dachten, er sei ein Vorbild für jedermann, hat sogar über mehrere Jahre an seinem Befreiungsschlag gearbeitet – wie er es selbst sah.

 

Krimi to Go – S (1/2)

S wie Spuren im Sand

Spuren sind das A und O jeden Krimis, auch in der realen Polizeiarbeit sind sie immens wichtig, was ich einmal behaupte, ohne je mit einem Polizeibeamten über dieses Thema gesprochen zu haben. Leider habe ich im Bekannten- und Freundeskreis keine Polizisten. Zwar gibt es zwei Polizisten in der Nachbarschaft, einer soll sogar Leiter einer Mordkommission sein, da traue ich mich echt nicht, das Gespräch auf solche Dinge zu bringen, solange ich nicht eine berühmte Autorin bin. Es könnte also sein, dass ein solches Gespräch nie zustande kommt.

Schon die Indianer im Wilden Westen waren ausgezeichnete Spurenleser, wie mir als erster Karl May überzeugend vermittelte. Auch Förster können im Wald besser die Spuren lesen als unsereins (es sei denn, ein Förster zählt zu meiner Leserschaft). Spuren im Sand haben den Nachteil, dass sie vom Wind sehr leicht verweht werden, der Regen weicht sie auf, im Gras werden sie zertreten. Sie sind also häufig nur zeitweilig verfügbar. Wir alle kennen den Satz aus den Krimis (wenn wir überhaupt Krimis lesen oder ansehen): „Es hat geregnet, sämtliche Spuren sind verwischt!“. Genauso gut weiß ich aus alten Indianergeschichten, dass ich meine Spuren so verwischen muss, dass Hunde bei der Verfolgung meine Fährte verlieren, indem ich einfach durch den nächstgelegenen Fluss wate. Am gegenüberliegenden Ufer kann kein Hund die Spur aufnehmen, es sei denn, ich bin so töricht, und lasse Kleiderfetzen an scharfen Ästen zurück oder bin verletzt und tröpfle Blut. Wobei ich das dann wirklich lieber meinen Krimifiguren überlasse. Womit wir beim eigentlichen Thema sind. Als letztes sei noch erwähnt, dass heute natürlich DNA-Spuren alles erhellen, womit die Täter nicht rechnen.

Im Fall Caesar Beyer hatte ich sehr gut die Spurenverfolgung erschwert, denn er lag in einer Pfütze, es hatte stark geregnet. Dennoch gibt es Spuren: die fehlenden Juwelen, ein Zettel in der Brieftasche, der Dolch, die Schusswunde und somit Projektil usw. Gerade so ein Dolch ist eine wunderbare Spur, denn Dolche sind in unserem Land nicht etwas, das in jedem Küchenregal oder auf jedem Bürotisch liegt. Ein Brieföffner oder ein Tranchiermesser wären da üblichere Mordmittel. Der Dolch macht es spannend für die Aufklärer und die Leser (hoffe ich). Ist es ein Dolch aus Malaysia? Irgendwie sind Dolche bei mir unweigerlich mit Malaysia verknüpft, was aus einer alten Lektüre stammen muss, die ich mir gerade nicht mehr ins Gedächtnis rufen kann. Das ist natürlich eine sehr gute Chance, dem Ganzen ein wenig exotisches Flair zu verleihen. Ein kurzer Blick in die verbreitetste Suchmaschine der Welt: Die Malaysische Mafia ist in Drogengeschäfte verwickelt und auch die Spuren (!) der Wettmafia führen nach Malaysia. Beide können Juwelen sicher gut gebrauchen. Ich denke, keine Mafia würde bei Juwelen laut „Nein!“ schreien. Ist denn Caesar Beyer vielleicht in Drogengeschäfte verwickelt? Ist er ein Opfer auch dieser Mafia? Oder hat einer der anderen Personen Kontakte zur malaysischen Mafia? Beleuchte ich Boris‘ Familie, so taucht dort eine Schwägerin auf, ihr Name ist Nurul und somit eindeutig malaysisch. Boris‘ Bruder Frank ist vor einigen Jahren gestorben (eines eindeutig natürlichen Todes, oder)?

Zum Dolch noch ein Verweis auf Wikipedia (5.10.17): „Im Gegensatz zum Messer, das primär zum Schneiden ausgelegt ist, ist der Dolch als Stichwaffe konzipiert.“ Und weiter „Da ein Dolch […] verdeckt getragen werden kann, galt er zeitweise als wenig ritterliche (Mord-)Waffe, wie es z. B. in der Wortschöpfung von der Dolchstoßlegende zum Ausdruck kommt.“ Verborgen getragen erweckt Assoziationen von Dunkelheit, Umhängen, Heimlichkeit und passt somit hervorragend. Vielleicht hat Boris den Dolch auch heimlich mitgehen lassen, als er Nurul besuchte. Boris hat die zarte, hübsche Frau immer bewundert und nach einer gewissen Anstandszeit nach Franks Tod auch mehr oder weniger intensiv um sie geworben, nun, seinem Naturell entsprechend hat er sie eher „angebaggert“. Sie ist nie darauf eingegangen. Dann hat er Sandra kennengelernt, hin und wieder besucht er Nurul, einfach um zu schauen, wie es ihr geht. Nuruls Ehe blieb kinderlos und sie arbeitet in einem Kindergarten. Den Dolch hat Boris heimlich eingesteckt, als er sie vor drei Wochen zum letzten Mal besuchte (drei Wochen vor dem Mord). Dadurch macht er sich zum Hauptverdächtigen.

Krimi to Go – R (2/2)

Raub und Raubmord gehören zu den niederen Motiven und häufig dienen sie in Krimis auch nur zur Vertuschung einer Beziehungs- oder anderen Tat. Ob das im wirklichen Leben auch so ist, weiß ich nicht. Dazu müsste ich dann Recherchen in diversen Mordkommissariaten anstellen, denn ein Kommissar allein macht noch keinen Wissenssommer. Das klingt nach peinlichen Momenten (ich erhalte keine Genehmigung, werde komisch angeguckt, ausgelacht, verächtlich behandelt, was mir als gute Autorin egal sein sollte) und viel Lauferei. Zwar laufe ich gern, aber nicht so. Ich nehme es daher einfach als Tatsache hin.

Im Fall von Caesar Beyer ist der Raub sowieso nur eine Beigabe, das ist selbst der Polizei bald klar. Ein Juwelen-Räuber tötet und läuft mit seiner Beute weg, alles andere erhöht die Entdeckungsgefahr. Nun könnte man natürlich in feinster forensischer Arbeit feststellen, dass der Schuss nur wenige Sekunden vor dem Dolchstoß erfolgte. So könnte Boris abends spazieren gehen, voller Zorn auf Caesar, weil er findet, dass ihm – Boris – Sandra zustünde, nicht Caesar. Er sieht Caesar auf der dunklen Straße, entschließt sich, ihm zu folgen und ihn grob zur Rede zu stellen. Da ertönt ein Schuss, er sieht wie sich eine dunkle Gestalt über Caesars unbewegten Körper beugt, davonhuscht, und dann hört Boris das Geräusch eines sich schnell entfernenden Wagens. Boris springt aus seiner dunklen Ecke, aus Caesars Mund läuft etwas Blut, er bewegt noch seine Hand. Boris, der gerne einen Dolch bei sich trägt, um sich ein wenig großmaulig aufzuführen, wenigstens vor sich selbst, zögert nicht lange und sticht zu. Danach bewegt sich bei Caesar gar nichts mehr.

Theoretisch könnte man die Mustermannsche Tragödie auch mit einem Raubmord in Verbindung bringen: grausige Bluttat als Tarnung der eigentlichen Tat, des Raubs. Das finde ich bei so vielen Leichen etwas überzogen. Alles andere Gedankliche in diese Richtung klingt nach Folter und langen quälenden Stunden, das lasse ich.

Bei Manfred paaren sich Diebstahl und Raubmord. Raub und Raubmord hätte besser geklungen, aber Manfred begeht einen Diebstahl, indem er die Versicherung betrügt, das ist kein Raub. Zum Unterschied zwischen Raub und Diebstahl scheint zu gehören, dass ein Raub immer mit Gewalt verbandelt ist. Wikipedia sagt hierzu (28.9.17):

Der Raub ist ein Tatbestand des deutschen Strafrechts. Er ist im 20. Abschnitt des Besonderen Teils des Strafgesetzbuchs (StGB) in § 249 normiert. Der Tatbestand kombiniert die Tathandlungen von Diebstahl (§ 242 StGB) und Nötigung (§ 240 StGB) und versieht sie mit einer gegenüber beiden Delikten erhöhten Strafandrohung. Tatbestandsmäßige Handlung ist demnach die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben.

Der in § 250 StGB geregelte schwere Raub versieht als Qualifikation des Raubs bestimmte Begehungsweisen dieses Delikts mit verschärfter Strafandrohung. § 251 StGB erfasst als Erfolgsqualifikation den Fall, dass ein Raub zum Tod eines anderen Menschen führt.

Klarer Fall bei Caesar Beyer, das war kein Diebstahl. Anders wäre es, wenn der Mörder unerkannt davonläuft, nachdem er seine Emotionen mit Schüssen und Dolch an Caesar ausgelassen hat. Dann kommt ein Unbekannter oder Boris vorbei, sieht die Leiche, weiß von den Edelsteinen und nimmt sie mit. Dann ist diese Person ein Juwelendieb, kein Juwelenräuber.

Eine weitere, meiner Ansicht nach sehr klare und deutlich kürzere Differenzierung finden wir in http://www.123recht.net/Abgrenzung-von-Raub-und-Diebstahl:

Der Raub als Straftatbestand ist zusammengesetzt aus dem Diebstahl (§ 242 StGB) und der Nötigung (§ 240 StGB).

Der Täter nimmt fremde Sachen weg, indem er einen anderen dazu nötigt, die Wegnahme zu dulden – dies entweder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch Anwendung von Gewalt.

Wäre Familie Mustermann ein Muster des Sparens und Geldanhäufelns gewesen, so hätte sich in der Tat ein grausamer Raub zusammenzimmern lassen. Ich deute nur an – erst Beseitigung der Kinder, dann Erpressung von Herrn Mustermann, der im Angesicht des drohenden Todes seiner geliebten Frau alle finanziellen Versteckorte Preis gibt (da wusste er noch nicht, dass seine Kinder bereits tot sind). Kaum haben die Räuber das Geld und andere Schätze gefunden, geraten sie in eine Art Blutrausch. Drogenabhängige? Profiräuber knallen schnell ab. Nur so angedacht, aber ich finde die Vorstellung zu schlimm, als dass ich so eine Geschichte verfolgen würde.