Luft-Not Teil 1 von 3

Der Erstickungstod

Sie bekam keine Luft, das bisschen Sauerstoff, das noch in den Atemwegen verfügbar war, wurde immer weniger. Panik. Sie röchelte, ihr Herz begann zu jagen. Sie lag unter einer Tonne Lehm, die Luft wurde dichter und dichter, der winzige Hohlraum war nur noch mit wenigen Kubikmillimetern Sauerstoff gefüllt. Gleich, gleich….

Sie wachte auf. Der Alptraum war zu Ende, aber die Panik blieb bestehen, obwohl kein Lehm auf ihren Brustkorb drückte. Nur das Schwarz-Grau des Schlafzimmers nahm sie am Rande ihrer Atembemühungen wahr. Aber auch das Bewusstsein, aus einem Alptraum erwacht zu sein, half nicht. Es gab keine Luft für sie, Atmen war nicht möglich. Mit aller Kraft versuchte sie, Luft durch die Nase zu holen, es ging nicht. Sie hielt das eine Nasloch zu, versuchte Luft zu holen, es ging nicht. Auch nicht auf der anderen Seite. Der Luftmangel hämmerte in ihrem Schädel. Warum öffnete sie nicht den Mund, warum holte sie die notwendige Luft nicht aus dieser Richtung? Sie versuchte zu denken „mach den Mund auf, atme!“ und gleichzeitig Luft durch die Nase einzuatmen. Kurz bevor sie glaubte, das Bewusstsein zu verlieren, stieß sie endlich Luft durch den Mund in die Lunge, die Atemlähmung, wie sie sie später nannte, war deutlich verringert.

Hastig setzte sie sich auf, Atmen im Liegen war immer noch nicht möglich. Sie zog mit den Fingern den rechten Nasenflügel zur Seite, dann den linken, bis sie endlich eine kleine Bahn für den lebensnotwendigen Sauerstoff freimachen konnte. Dazwischen hechelte sie durch den Mund. Der Rachen schien nicht ganz frei.

Als sie richtig wach war und wieder normal atmete, versuchte sie mental, mit diesem Traum klarzukommen, der auch ins Wachbewusstsein hinein Wirkung gehabt hatte. Was war nicht in Ordnung? Sie hatte schon mehrmals vom Ertrinken geträumt, zynisch sprach sie dann schon mal von „meinem Lieblingsalptraum“. Meist saß sie dabei in einem Wagen, dessen Türen sich nicht öffnen ließen. Sie hatte immer aufmerksam Tipps dazu gelesen, was man machen soll, wenn man mit dem Auto ins Wasser stürzt: Warten bis der Wagen abgesunken ist, ruhig atmen. Fenster öffnen, bis der Druckausgleich stattgefunden hat, dann die Tür öffnen und zügig nach oben schwimmen. Ob sie in einem solchen Falle die nötige Ruhe hätte?

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