Buchpreis 2018 Teil 1 von 3

Ich hätte gerne den deutschen Buchpreis. Ob ich es 2018 schaffe, wage ich zu bezweifeln. Ich weiß nicht einmal, ob ich 2018 ein Buch zur Veröffentlichung bringen kann.

Um meine Chancen auszuloten und eventuell meine Schreibe noch auf die Zielgruppe Juroren auszurichten, habe ich mir angeschaut, wer 2017 diesen Preis bekommen hat: Robert Menasse. Aha. Jahrgang 1954, das geht ja. Ein kluger Mann mit vielen klugen Veröffentlichungen. Sicher nichts aus dem Sujet leichte Unterhaltung dabei, aber vielleicht sollte ich etwas von ihm lesen, bevor ich mir nur aus einem Wikipedia-Artikel ein Urteil bilde.

Unterhaltung, das ist es, was ich von Literatur erwarte. Durchaus intelligente Unterhaltung, aber nicht so etwas für Akademiker ohne Spaß, Spannung und Spiel. Ich selbst lese nicht gerne etwas, das die Tristesse des echten Lebens widerspiegelt, das nur aus intelligenten Wortspielen besteht. Aber ich bin auch keine Jurorin für den deutschen Buchpreis.

Es wäre doch wirklich genial, wenn mal nicht ein Schriftsteller mit langer Veröffentlichungsliste den Preis bekäme, sondern so ein Newcomer, der erst in der zweiten Hälfte (oder gar im geschätzten letzten Drittel) seines Lebens zum Schreiben kommt, weil er dann wirklich etwas zu sagen hat. Es muss ja auch nicht ein Roman sein, es könnten zum Beispiel Kurzgeschichten sein, die lose miteinander verbunden sind. Hoppla, da sind wir ja bei mir.

Auf der Seite des deutschen Buchpreises gibt es eine Inhaltsangabe für das Buch von Manesse, das den Preis gewonnen hat[i]:

„Beamtin Fenia Xenopoulou soll das Image der Europäischen Kommission aufpolieren. Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee weckt ein Gespenst aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. Kommissar Brunfaut muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen. Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank zur Zukunft Europas Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft.“

Och nee, schon wieder ein Gespenst aus der Geschichte… Ich mag nicht in trauriger Historie herumwühlen. Auch die Begründung der Jury interessiert mich (gleiche Quelle):

„Das Humane ist immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben: Dass dies auch auf die Europäische Union zutrifft, das zeigt Robert Menasse mit seinem Roman ‚Die Hauptstadt‘ auf eindringliche Weise. Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen. Und macht unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können. Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns – ‚die anderen‘, das sind nicht selten wir selbst.

Mit ‚Die Hauptstadt‘ ist der Anspruch verwirklicht, den Robert Menasse an sich selbst gestellt hat: Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden.“

So normale Sätze bauen kann die Jury auch nicht? Oder etwas sagen, das ich interessant finde? Hmmm. Ich schaue mal, wie es in 2016 aussah, um mir meine Chancen auszumalen. Und um zu sehen, ob meine abfälligen Bemerkungen nur auf ein gewisses Neidgefühl zurückgehen oder in meinem Wesen begründet sind.

[i] https://www.deutscher-buchpreis.de/nominiert/

Ein Gedanke zu “Buchpreis 2018 Teil 1 von 3

  1. Ich mag Sätze überhaupt nicht, die diese Konstruktion haben: „Die Ökonomie allein, sie vermag es nicht zu leisten.“ Das kommt auch immer gerne in Dokumentarfilmen: „Der sibirische Winter, er fordert die Menschen und Tiere zu engem Zusammenhalt. Die Geburt des Kommunismus, sie liegt hier doch so nah.“ Die Leserin solcher Sätze, sie ist hier extrem befremdet. Der Grund dafür, er liegt in der Unterschiedlichkeit schlechter gesprochener und schlechter Schriftsprache.

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