Aus dem Leben einer Privatpatientin (3/3)

Natürlich gibt es auch die Privatpatienten, die großes Trara um ihren Status anfachen, Ärzte terminlich einschüchtern (wenn die Ärzte das dulden), auf große Hose machen und bevorzugt werden. Genauso wie es in jeder Menschengruppe unangenehme Vertreter ihres Typus gibt. Was ich komplett unredlich finde, ist, dass gewisse politisch motivierte Seiten (um es einmal so auszudrücken) die Negativbeispiele vorzerren und als typische Vertreter anprangern.

Die Gleichmacher mögen sich auch einmal klarmachen, dass eine sogenannte „Bürgerversicherung“, bei der alle Menschen (bis auf sie selbst, die politische Clique) gleichgeschaltet werden, erst wirklich eine Zweiklassenmedizin erzeugt. Die Leute, mit dem richtig dicken Geld in der Tasche werden dann eben ihre gute Versorgung aus eigener Tasche zahlen. Mit „richtig dicke Geld in der Tasche“ meine ich nicht deine Nachbarn, die vielleicht mehr verdienen als du, sondern Menschen mit einem Einkommen, das im Monat ein normales Gehalt um das Hundertfache übersteigt.

Wenn die privaten Krankenkassen abgeschafft werden, kann ich heute schon eins vorhersagen: Keiner der jetzigen Kassenpatienten wird besser behandelt. Nur die ehemaligen Privatpatienten werden die Privilegien, die sie sich wünschen (s. Einbettzimmer) teurer bezahlen als sonst. Das arme Mütterchen im schlohweißen Haar, das sich die Rezeptgebühr am Munde absparen muss, wird auch nach Gleichschaltung der Versicherungen keinesfalls weniger Rezeptgebühr bezahlen (allenfalls aus Augenwischerei für ein oder zwei Jahre, dann kommt die Gebühr in gleicher Höhe wieder).

In den letzten Jahren sind meine Krankenkassenbeiträge teils um mehr als zehn Prozent angestiegen. Das wird mir immer als „Anpassung der Beiträge“ verkauft, ein Ausdruck, über den ich mich regelmäßig aufrege. Wie stark sind die gesetzlichen Kassenbeiträge in dieser Zeit gestiegen?

Es mag Ärzte geben, die Privatpatienten bevorzugen. Natürlich – es gibt auch Ärzte, die ihr Fach nicht verstehen, die Kassen betrügen, an ihren Patienten nicht interessiert sind, allen nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Die gibt es alle. Aber sie sind in meiner Erfahrung wirklich nicht die Regel.

Manche Dinge sind für Privatpatienten einfacher und besser, das stimmt. Na und? Ein Privatpatient bekommt leichter eine Verlängerung der Reha, ein Kassenpatient bekommt je nach Krankheit drei Wochen und nur in Ausnahmefällen mehr. Soll ich euch sagen, was passieren wird, wenn die Privatkassen zerstört werden sollten? Dann bekommen alle drei Wochen und nur in Ausnahmefällen mehr.

Diese Bestrebungen gelten alle nur dem Ziel: Niemandem darf es bessergehen als mir, und nicht dem Ziel: Allen soll es bessergehen.

Außerdem werden alle Politiker, ich erwarte da keine Ausnahme, schon zusehen, dass sie weiter privilegiert werden. Weil sie ach so wichtig sind.

Wenn ich glauben könnte, dass mit einer Abschaffung der privaten Krankenkassen die Menschen am Ende des finanziellen Systems daraus einen dauerhaften Vorteil haben, würde ich sofort mit aller Vehemenz dafür eintreten.

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