Erfindungen (2/3)

„Ich habe das ausgerechnet, sie müssten für 200 g Pommes Frites das Dreifache nehmen, wenn wirklich alles nobel-nobel sein soll. Also 9 Euro für eine Portion Pommes Frites? Das zu bezahlen wären nicht einmal die Superreichen bereit“, wobei Michael vermeintlich heimlich auf seine goldene Uhr schaute.

„Unser Restaurantbesitzer rechnet also korrekt: Das Produkt Menge x Preis ist 600, das akzeptieren die Esser. Wenn ich jetzt 600 durch den gewünschten Preis von 9 dividiere, erhalte ich einen Preis, den jeder akzeptieren wird, der einmal für das Produkt ‚600 Einheiten‘ akzeptiert hat.“

Mir schwirrte langsam der Kopf, aber ich konnte noch folgen.

„600 geteilt durch 9 ist, korrekt gekürzt mit der Zahl 3, 200 durch 3, und das ergibt 66,67 Gramm als wünschenswertes Gewicht.“

Ich rechnete mit Hilfe des Taschenrechners nach, wirklich: 600 durch 9 ist 66,66666666 usw., also korrekt gerundet 66,67 (g).

„Du erhältst auf einem Teller aufgerundet 70 Grämmchen Pommes. Davon wirst du zwar magenbezüglich nicht satt, aber du hast das beruhigende Gefühl, dass der Wirt dich nicht betrügt, da er korrekt den Pommes-Buden-Faktor anwendet.“

Ich nickte. Ich finde zwar eine Portion von 70 g Kartoffeln wirklich unerheblich für eine auch nur annähernd befriedigende Sättigung, aber Michaels Logik konnte ich mich nicht verschließen.

„Gut, Michael, das alles sehe ich ein. Aber diese Formel scheint mir weltbekannt, denn es ist im Volksmund die Regel verbreitet: Je teurer das Restaurant, desto winziger die Portionen. Und 70 g Kartoffeln ist definitiv winzig. Nur: Was hat das mit dir zu tun, wieso konntest du durch diese Formel reich werden?“

Michael warf mir einen mitleidigen Blick zu. „Natürlich bin ich nicht mit dieser Formel reich geworden, ich habe einfach das Prinzip verinnerlicht. Das Prinzip nämlich, dass der Gastronom Umsatz machen muss. Und hier setzt die nächste Formel an: Je kleiner die Portion pro Preis, umso länger kann der Gast verweilen. Oder andersherum: Wer seine Kartoffeln sehr billig verkauft, muss dafür sorgen, dass der Gast schnell Platz für den nächsten Gast macht.“

Sehr einsichtig, das hatte ich vor Jahren mal über McDonalds gelesen, dass sie ihre Restaurants möglichst ungemütlich gestalten, sodass niemand dort am Stuhl klebt. Ob das stimmte, habe ich nie überprüft. Nun präsentierte mir mein Freund die Verweildauerformel, meine Güte, es wurde kompliziert:

„Die Grammangabe in der Preisberechnungsformel ist auch gleich der neue Faktor k für die Verweildauerformel. Sagen wir einmal, ein Gast in einem Restaurant isst eine 70-g-Portion Kartoffeln, aber der Wirt will seinen Konkurrenten unterbieten, indem er es darauf abzielt, die Gastverweildauer (GVWD) zu verkürzen. Er rechnet flink: Bleibt der Gast im Nobelrestaurant 100 Minuten für 70 g Kartoffeln – ich wähle die Zahl 100 hier nur, weil sie leichter in Berechnungen verwendet werden kann, nicht weil irgendein Gast 70 g Kartoffeln über mehr als anderthalb Stunden hinweg kaut“ (ich war Michael sehr dankbar für diese Erläuterung, hätte ich ihn sonst doch beim Kartoffelwort genommen), „so ergibt sich die Formel GVWK = k x P (P für Preis). Beim Konkurrenten sitzt der Gast 100 Minuten lang, um 70 g Kartoffeln für einen Preis von wie oben erläutert 9 Euro zu verzehren. Der gewitzte Wirt könnte aber seinen Umsatz verdoppeln, wenn er die GVWK halbiert, denn damit die Formel korrekt bleibt bei gleichem Umsatz, ist genau das vonnöten.“

Ich nickte, ohne wirklich zu verstehen, wohin die Rechnungen führten, dabei hatte ich mir immer eingebildet, mit dem Rechnen und der Mathematik auf du zu stehen.

„Und jetzt kommt meine Leistung“ (ich atmete auf), fuhr Michael fort: „Ich habe eine Methode patentieren lassen, wie man die GVWK verkürzen kann, ohne dass sich der Gast bei k und P betrogen fühlt.“

„Ich kann mich vor Neugier kaum halten, was ist es denn?“

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