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Davon kann ich mich selbst bedauerlicherweise auch nicht freisprechen. Viele Jahre bin ich in meiner Vollwerternährung strikt den Regeln Brukers gefolgt. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Seine Ernährung ist für mich immer noch die beste und natürlichste, die ich je ausprobieren konnte, aber wie gesagt, da laufen Automatismen ab: Einmal klagte mir eine junge Frau, ihre Verdauung würde mit der Vollwerternährung zwar besser, aber nicht wirklich gut. Meine Reaktion? Ich bezweifelte erst einmal ihre vollwertige Konsequenz und fragte sofort, alle „Vollwertregeln“ ab, weil ich ihre Klage nicht glauben konnte bzw. wollte. So ist das nämlich: Man hat endlich etwas gefunden, was einem selbst (in diesem Fall: auch vielen, vielen anderen Menschen hilft) und man möchte nun auch alle anderen Menschen beglücken. Der Missionseifer weht einem um den Schädel und verweht die Kritik. Die darf und muss aber wiederkehren, und man muss Fälle, die nicht ins Schema passen, offen angehen, nicht voreingenommen für die eigene Sicht. Es kann sein, dass die genannte junge Frau Fehler gemacht hat, aber sie war verzweifelt und irgendwann (zu Recht) beleidigt, weil ihr niemand glaubte, denn alle überzeugten Vollwertler taten dies natürlich nicht.

In der Ernährung wie in anderen Dingen ist auch Vorsicht geboten, wenn Produkte gelobt werden. Woher will ich denn wissen, ob das bezahlt ist oder nicht? Schleichwerbung ist im Fernsehen verboten, bei Bloggern und auf Webseiten gar kein kritisches Thema.

Sprüche, die ich auch richtig „gerne“ höre sind:

(1) Jeder Mensch ist anders.
Das ist so wie mit dem Fingerabdruck: Ja, jeder Mensch hat einen individuellen Fingerabdruck, den kein anderer Mensch hat, aber dennoch sind die Fingerabdrücke an sich gleich aufgebaut, folgen denselben Abläufen im Körper, werden durch dieselben Maßnahmen kurz- oder langfristig vernichtet (Säure z.B.). Das heißt, wer mir erzählt, jeder Mensch sei anders und müsse deshalb seinen ganz eigenen Weg bei der Ernährung finden, überzeugt mich nicht. Es gibt einfach medizinische und physiologische Fakten, an denen wir nicht vorbeikommen, z.B. dass der Mensch trinken bzw. sich Flüssigkeit zuführen muss. Es sei denn, man glaubt an Lichtnahrung. Was ich nicht tue.

(2) Wir müssen auf unseren Körper hören
Das ist einer der schönsten Unsinnssätze überhaupt. Was erzählt der Körper eines schwer Übergewichtigen wohl diesem Menschen? Iss jetzt was! Na, feine Körperbotschaft. Mein Körper kann mir natürlich Botschaften übermitteln, das können aber auch Lügen sein, weil er fehlgeleitet wurde, vielleicht schon seit Geburt. Wer von seiner Geburt an mit Süßem zugeschüttet wird, bekommt die Botschaft vom Körper: „Schoki her! Bloß kein Gemüse, das ist nicht süß, und wenn ich schon Obst esse, dann nix, was noch echt nach Obst schmeckt, sondern Äpfel, die außer ‚süß‘ kein Aroma mehr haben.“ Sobald einer, der mir Gesundheit über Ernährung vermitteln will, sagt: „Höre auf deinen Körper“, schalte ich automatisch ab. Das ist unreflektiert, unwissenschaftlich und falsch.

(3) Ich bin Ernährungsberater(in)! Oder noch besser: Meine Freundin ist Ökotrophologin (wahlweise Arzt)!
Ernährungsberater kann sich jeder nennen, und auch wer eine „Ausbildung“ zum Ernährungsberater hat, kann je nachdem, wo er diese Ausbildung durchlaufen hat, in Sachen Ernährung strohdumm sein. Leider. Und Freunde, die was gelernt haben, sind erfreulich. Aber keine wirklich verlässliche Quelle.

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