Das Gleichnis vom Silbergeld (4/6)

Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten Silbergeld[1]. Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.

Sie blickte hoch, sah Gertrud an, las nochmals langsam und betont: jedem nach seinen Fähigkeiten!!!“ Gertrud nickte, sie wurde langsam müde. Das ging ihr immer so, wenn ihr jemand vorlas. Ronja fuhr fort:

Dann reiste er ab. Sofort ging der Diener, der die fünf Talente erhalten hatte hin, wirtschaftete mit ihnen und gewann noch fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei weitere dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kehrte der Herr jener Diener zurück und hielt Abrechnung mit ihnen.

Ronja holte tief Luft. Sie verpasste irgendwie immer die richtigen Stellen, um ein- und auszuatmen. Außerdem regte sie sich beim Lesen schon wieder auf.

„Weißt du, Tante Gertrud, wie viel Euro fünf Talente sind?“ Sie wartete gar nicht erst auf die Antwort, denn an der Fleischtheke wird mit Euro gerechnet, weder mit Silber noch mit Talenten. Auch wenn, das fand Ronja witzig, es ja die Redensart gibt „Sein Talent mit in die Waagschale werfen“. Hahaha, ich sollte immer ganz viel Silber bei mir haben und das ab und an auf die Waage werfen. Dann fiel ihr auf, dass diese Talente ein wunderbares Teekesselchen sind, das müsste sie demnächst mal einsetzen. Das würde niemand raten! Sie holte sich zurück zum Text:

Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du tüchtiger und treuer Diener. Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

Ronjas Mund war trocken. Sie sah Tante Gertrud an, ob die auch noch wach war und nicht eingeschlafen. Aus dem Garten drang Gekreische und lautes Rufen. Ronja schüttelte altklug den Kopf, nein, also diese kleinen Jungs…

Es kam aber auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mensch bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Sieh her, hier hast du das Deine. Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld auf die Bank bringen müssen, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

Offensichtlich war das ein Abschnitt, der Ronja ärgerte. Sie hatte die Stirn in Falten gelegt und zupfte an einer Haarsträhne, die ihr rechts über die Schulter fiel.

Nehmt ihm also das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

[1] Quelle: https://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us25%2C14-30 (abgerufen am 28.2.18)

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