Aesop und ein Märchen (1/2)

Die Fabel gab es vor zwei Tagen…

Märchen

Ein reicher König hatte zwei Töchter, Marie und Regina, die er heiß und innig liebte. Seine Frau war gestorben, als Regina, die Jüngere, zwei Jahre alt war. Der König hatte die beiden Mädchen in die Obhut einer Hofdame gegeben, die sie großzog. Als Marie sechzehn Jahre alt war, wurde sie auf einem großen Empfang mit Tanz in die Gesellschaft eingeführt, auf dass ein edler Jüngling ein Auge auf sie werfe und um ihre Hand anhalte.

Als Maries siebzehnter Geburtstag nahte, zogen die Herolde durchs Land und verkündeten, dass der König an diesem Tag einen Ritterkampf veranstalten würde, dessen Sieger die Hand der Prinzessin und eine Mitgift von fünftausend Talern gewinnen werde. Der König hoffte, dass sich bei diesem Angebot ein Prinz finden würde, der sein Königreich mit dem des Königs verbinden und so beiden zu mehr Macht verhelfen würde.

Marie war allerliebst anzuschauen und edle Ritter aus mehreren Königreichen wollten sie gern als Gemahlin zu sich nach Hause führen und warben um ihre Hand. Es gab mehrere Bewerber, die auf einem Ritterfest ihre Kräfte messen sollten, um den besten zu bestimmen. Marie hatte sich in den roten Ritter verliebt, kaum dass ihr Auge auf ihn fiel. Er trug diesen Namen, weil das Visier seiner Rüstung und sein Schild mit roten Rubinen besetzt waren. Auch er war, kaum dass er Marie erblickt hatte, in Liebe zu ihr entbrannt.

Die Liebe führte seinen Speer und machte ihn siegessicher und so besiegte er in mehreren Kämpfen die anderen neun, die die Prinzessin gern zur Königin ihres Herzens gemacht hätten. Nach dem Sieg fiel der Ritter vor der schönen Prinzessin auf die Knie, überreichte ihr eine Kunstrose, die mit roten Rubinen übersät war, und bat um ihre Hand. Dann hob er sein Visier und der König erkannte Johann, den Sohn von Wilhelm. Der König reichte Johann die Hand und befahl ihm aufzustehen.

„Du hast den Kampf mit Ehre, Anstand und Ritterlichkeit gewonnen. Die Hand meiner Tochter Marie gehört dir. Da du der Sohn meines Vasallen Graf Wilhelm bist, können wir unsere Königreiche nicht vereinen. Ich habe mein Wort gegeben, dem Sieger dieses Kampfes meine Tochter zu geben. Das Königreich aber möchte ich nur einem Prinzen weitergeben. Sei willkommen an meinem Hof, Johann!“

Die Hochzeit fand sechs Wochen später mit großem Glanz und Prunk statt. Dann führte Johann seine Marie in sein Fürstentum zurück, wo sie viele Jahre glücklich verbrachten.

Der König saß abends oft in seiner Kammer und grübelte, wie er das Geschick so lenken konnte, dass Regina einen echten Prinzen finden würde, der neben des Königs Tochter auch das Königreich erben konnte. Also dachte er: „Ich habe fünftausend Taler als Mitgift ausgesetzt und Marie hat einen Grafensohn gefunden, der sie liebt. Wenn ich nun für Regina eine Mitgift von zehntausend Talern verspreche, so werden die edlen Prinzen um ihre Hand kämpfen, denn kein niederer Baron wird sich bewerben, da er gar nicht weiß, was er mit zehntausend Talern tun soll.“

Als Reginas siebzehnter Geburtstag nahte, zogen die Herolde durchs Land und verkündeten, dass der König an diesem Tag einen Ritterkampf veranstalten würde, dessen Sieger die Hand der Prinzessin und auch eine Mitgift von zehntausend Talern gewinnen werde.

Hans, der Sohn des armen Gärtners, hatte Regina oft im Garten lustwandeln sehen und fand sie so allerliebst, dass er manchmal die ganze Nacht wach lag und nur ihren Namen flüsterte. Einmal stand er gerade hinter einem Fliederbusch, als sie an ihm vorbeiging und hochschaute. Ihre Blicke verfingen sich ineinander, als könnte sie niemand mehr trennen. Regina hatte noch keinen Jüngling erblickt, der Hans in Schönheit, Mut und Klugheit gleichkam.

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