Unfall – Märchen 1/7

Märchen

Ein König hatte drei Söhne: Ludovic, Malkovic und Sankovic. Die Prinzen machten keinerlei Anstalten, sich eine passende Frau zu suchen, obwohl der König und die Königin sie häufig daran erinnerten. Aber im Königspalast war es so bequem, die Regierungsverantwortung trug der König und alles andere organisierte die Königin mit ihren Hofdamen, warum sich da woanders ein Reich suchen, indem man selbst so hart arbeiten muss?

Als die Haare des Königs und der Königin ergraut waren, platzte dem König die Geduld: „Wie denken sich unsere Söhne das? Sollen wir erst schlohweiß werden, bevor unsere faulen Söhne sich Prinzessinnen aussuchen, statt dumme Spiele zu spielen und den lieben langen Tag einen guten Tag sein lassen? Bis dahin sind die infrage kommenden Prinzessinnen ergraut und unfruchtbar geworden!“ Die Königin widersprach ihrem Gemahl nicht, obwohl sie die Prinzen gar nicht so gern hergeben wollte. Sie war sich auch nicht sicher, ob sie eine gute Schwiegermutter würde, und sie hatte keine Freude bei dem Gedanken, dass sie vielleicht von einer ihrer Schwiegertöchter eines Tages zum Tanz in glühenden Schuhen genötigt würde.

Aber der König ließ sich von seiner Königin diesmal nicht beirren. Er dachte drei Tage und drei Nächte darüber nach, was er seinen Söhnen als Anreiz bieten könnte, sich eine Frau zu suchen. Seine Gemahlin half ihm diesmal nicht beim Nachdenken, wie das sonst so ihre Art war.

So rief er nach drei Tagen und drei Nächten seine Söhne zu sich. „Ludovic, Malkovic und Sankovic, der Würdigste von euch soll nach meinem Tode mein Königreich ganz allein übernehmen und alle Schätze sein eigen nennen. Dafür sollt Ihr einen edlen Wettstreit ausführen.“ Die Söhne sahen sich gelangweilt an, sollten sie in einem Ritterduell möglichst viele Ritter schlagen? Danach stand ihnen nicht der Sinn. Königreich und Schätze wollten sie schon gerne haben, aber sie waren davon ausgegangen, dass es ihnen einfach zufallen würde. Die beiden Älteren hatten die Pflichten schon gut unter sich aufgeteilt: Ludovic führte das Heer, Malkovic kümmerte sich um die Palastverwaltung und Sankovic, so hatten die beiden anderen bestimmt, würde mit den Bauern auf dem Feld arbeiten und die Steuern einziehen.

Ludovic fragte: „Und wie soll dieser Wettstreit aussehen, Vater?“

„Im Wald hinter den drei Bergen leben drei Drachen. Dieser Wald ist mit einem starken Zaun vom Königreich abgetrennt, denn die Drachen sind gefährlich. Ich würde den Wald gern wieder öffnen und einen Park für meine hart arbeitenden Untertanen daraus machen. Derjenige nun, der mir den größten Drachen bringt, tot oder lebendig, wird mein Nachfolger.“

Die Söhne sahen sich an. Eine harte Aufgabe.

„Aber, Vater, wird sind des Kämpfens nicht gewohnt. Wir haben keine Ausrüstung, denn wir haben immer im Garten mit den Fischen und Tieren gespielt.“

„Ich werde euch drei verschiedene Gegenstände anbieten, die ihr mit auf den Weg nehmen könnt. Ihr findet sie morgen in der Ruhmeshalle auf dem großen Tisch, jeder nehme sich das, was er für sinnvoll hält.“

Die Söhne nickten und verließen den Thronsaal. Ludovic und Malkovic berieten sich. „Falls wir es allein nicht schaffen, könnten wir einen Drachen gemeinsam besiegen und dann auslosen, wer von uns das Königreich bekommt. Der andere erhält dann eine lebenslange Absicherung.“ „Das klingt gut, aber Sankovic lassen wir außen vor, oder? Er muss nichts von unseren Plänen wissen.“ „Da hast du völlig Recht, er ist verspielt und albern und wird uns kaum helfen können. Allenfalls wird er uns am Ende auf der Tasche liegen.“

So schmiedeten sie ihre Ränke und waren froh, dass Sankovic sich an den Plänen nicht beteiligen wollte, denn er hatte eine Verabredung mit den Fröschen im Schlossgraben, die er auf keinen Fall versäumen wollte.

Der nächste Morgen war aufregender als ein Geburtstag. Die Drei betraten die Ruhmeshalle, in deren Mitte ein Tisch aufgebaut war, der mit einer schweren goldgewirkten Brokatdecke bedeckt war. Neben dem Tisch standen zwei Diener, die auf Zeichen des Königs die Decken entfernten. Mit Erstaunen betrachteten die Söhne das, was auf dem Tisch lag: ein großes Schwert mit Diamantgriff, eine Diamantkugel so groß wie ein Ball, hart und unzerbrechlich, sowie ein Röhrchen mit einer Drahtschlinge, mit dem man große bunte Seifenblasen herstellen konnte. Der König sprach: „Das Schwert bricht nicht, die Diamantkugel kommt immer zu dir zurück und das Seifenblasenröhrchen wird niemals leer.“ Ludovic und Malkovic verständigten sich mit einem Blick, der Älteste nahm das Schwert, Malkovic die Diamantkugel, daraufhin klatschte Sankovic in die Hände: „Wie schön, ich hatte schon Angst, Ihr würdet mir das Röhrchen vor der Nase wegschnappen!“

Die drei nahmen ihre Gegenstände an sich und ritten gemeinsam zum Wald. Am Eingang des Waldes war eine Kreuzung, die in vier Richtungen führte: der große Weg, der hinter ihnen lag, ein kleiner Weg nach links, ein großer Weg nach rechts und ein ganz breiter, gepflasterter Weg geradeaus.

„Ich gehe geradeaus, denn ich bin der Älteste. Du, Malkovic, gehst nach rechts, und du, Sankovic, nimmst den linken Weg.“

Sankovic freute sich: „Ich höre viele Vögel auf meinem Weg zwitschern und ich sehe die glitzernden Augen von Maulwürfen und Mäusen, sie werden mir gute Gefährten sein.“

Die beiden älteren Brüder schauten sich an und verdrehten die Augen. Bevor sie sich trennten, teilten sie noch ihre Essensvorräte. Jeder erhielt ein Brot, ein Stück Käse, eine Wurst, zwei Äpfel und eine Flasche Wasser. Sie wünschten sich gegenseitig Glück und zogen ihrer Wege.

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