Ehrenrettung von man, kann und aber (1/3)

Man kann es auch deinstallieren

Als ich im April 2016 mein aktuelles Smartphone gekauft habe, war mir klar: WhatsApp, so ein Teufelszeug, kommt mir nicht aufs Handy! Diese Einstellung hielt etwa fünf Tage, bis ich feststellte, dass fast alle meine Freunde und Verwandten WhatsApp benutzten. Sollte da doch etwas dran sein? Flugs installiert, aber ich hatte Vorbehalte. Im Profil von WhatsApp kann man auch einen kleinen Leitsatz, ein Motto eingeben. Bei mir wurde es: Man kann es auch deinstallieren. Nur am Rande: Ich benutze WhatsApp mittlerweile häufig und mit Begeisterung.

Ich hätte auch schreiben können: „Wir können es auch deinstallieren. Ich kann es auch deinstallieren. Du kannst es auch deinstallieren.“ Das ließe sich noch weiter verbessern in: „Wenn die App so schlimm und unnütz ist, wie ich dachte, werde ich sie deinstallieren. Wir haben die Möglichkeit, die App zu deinstallieren. Du bist sicher in der Lage, die App zu deinstallieren.“

Jede dieser Varianten ist im Sinne des Train-the-Trainer- und Coach-Gebrauchs viel besser. Kann und man sind Teufelswörter, die, schlimmer noch als WhatsApp, unbedingt vermieden werden müssen. Ähnlich übrigens wie das kleine Wörtchen „aber“, denn noch nicht gemerkt: Jedes „aber“ schwächt ab, was vorher kam, oder negiert es völlig. Beispiel: „Du hast ein schönes Kleid an, Marlies.“ Zu vergleichen mit „Du hast ein schönes Kleid an, aber mir würde es besser stehen.“ (Was rein sachlich einmal dahingestellt sein mag.)

Als ich vor circa zwanzig Jahren an einer Ausbildung „Train the Trainer“ teilnahm (heute sagt man, pfui: sagen wir nicht mehr Trainer, sondern Coach), wurde mir dieser Sprachgebrauch und seine Boshaftigkeit nähergebracht. Ich gestehe ehrlich: Ich fand das überzeugend. Es gibt so viele schöne Argumente dafür:

Aber sollten wir gar nicht verwenden, denn aber nimmt zurück, was wir vorher gesagt haben. Wie an dem Beispiel mit der Freundin gezeigt, kann man sich damit Freunde zu Feinden machen. Oder Freundinnen zu Feindinnen.

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