Werbemails (2/4)

Die Uhr über der Tür war groß, schlicht mit weißem Hintergrund und klaren schwarzen Ziffern, die roten Zeiger bewegten sich geräuschlos. Die sechs Personen musterten sich gegenseitig unauffällig. Werner ergriff das Wort: „Warten wir alle auf dieselbe Person?“ Fred antworte ihm: „Keine Ahnung, ich wurde von einer Frau Mandy Kurz eingeladen“. Die anderen nickten und bestätigten das, ja, sie waren alle von Frau Kurz für zehn Uhr eingeladen worden. „Geht es bei Ihnen auch um berufliches Fortkommen?“, fragte Niklas in die Runde. Alle nickten. Zögerlich begannen sie, sich miteinander zu unterhalten. Das Gespräch stockte immer wieder, wie das unter Fremden so ist. Pünktlich um zehn Uhr öffnete sich die Tür, eine schlanke Mittdreißigerin, die schwarzen Haare straff am Hinterkopf zusammengefasst, kam herein. Sie trug einen knielangen schmalen schwarzen Rock und eine weiße Bluse mit welligem Kragen. Sie war sorgfältig geschminkt, ihre Fingernägel gepflegt und rot lackiert. In der Hand hielt sie eine Mappe. Sie lächelte in die Runde. „Guten Tag, meine Damen und Herren. Mein Name ist Mandy Kurz, ich bin die Leiterin dieser Arbeitsvermittlung und würde gern mit Ihnen allen über Ihre Zukunft sprechen. Bitte folgen Sie mir.“ Die sechs Wartenden sahen sich an, zogen die Augenbrauen hoch oder zuckten mit der Schulter und folgten Mandy. Sie hätten statt ihrer schlanken Figur auch dem dezenten Rosengeruch folgen können, der offenbar von Mandy ausging.

Sie gingen den Flur entlang, bis zum Ende des Ganges, wo eine Tür aufstand. Mandy betrat den Raum, ihre Besucher folgten ihr. Der Raum war luftig mit einer großen Fensterfläche im Hintergrund. Davor stand ein schlichter runder Tisch mit einem Durchmesser von ungefähr einem Meter zwanzig. Um den Tisch waren sieben Stühle auf, sechs mit schwarzem Bezug und silbernen Stuhlbeinen, ähnlich wie im Warteraum. Der siebte Stuhl hatte das gleiche Design, war aber mit tiefrotem Kunstleder bezogen. Mandy setzte sich auf den roten Stuhl und lud ihre Besucher mit einer Handbewegung ein, sich hinzusetzen.

Mandy lächelte in die Runde. „Vielen Dank, dass Sie heute gekommen sind. Sie können mich gern Mandy nennen. Damit Sie sich gegenseitig kennenlernen können, stelle ich Sie kurz vor.“ Sie nickte mit dem Kopf zu Fred: „Hallo Fred, hallo Werner, Sie beide preisen Hochregale an, nicht wahr?“ Fred und Werner nickten. „Karl und Erica sind zuständig für Werkzeugwagen, Niklas für Werkzeugkästen, Yvette versüßt den Herren ihre Freizeit.“

Die vier Männer und zwei Frauen starrten Mandy erwartungsvoll an. „Bitte bedienen Sie sich doch!“ Dabei zeigte sie auf ein Rondell in der Mitte des Tisches, in dem kleine Saftflaschen standen. Daneben waren sechs Gläser aufgereiht. Niklas griff zu einer Flasche Kirschsaft, drehte den Verschluss, bis es knackte, und goss sich den Inhalt der Flasche in eines der Gläser. Die anderen warteten noch.

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