Je Julia (3/3)

Sie nahm sich Zeit. Die Sonne schien durchs Fenster auf den Schreibtisch und wunderte sich, was so ein nettes Mädchen an einem so herrlichen Tag freiwillig am Schreibtisch tun mag. Nach zwei Stunden war Julia fertig. Drei Punkte hatte sie schwarz durchgestrichen. „Muss mir jeden Tag eine Tüte Gummibärchen schenken“, „Muss allein das Kind wickeln und anziehen“ und „Großer Fleiß in der Küche“. Die Gummibärchen würden nur ihre Figur auf Dauer ruinieren, und bei den beiden anderen Tätigkeiten könnte sie auch mal helfen. Obwohl Jungs bekanntermaßen in diesen Dingen extrem ungeschickt sind.

Die Liste war immer noch sehr, sehr lang. Sie kannte niemanden, weder aus ihrer noch einer der höheren Klassen, nicht aus dem Freundeskreis ihrer Eltern, der auch nur drei der Punkte wirklich erfüllen würde, die sie notiert hatte. Viele scheiterten einfach am guten Aussehen. Schiefe Zähne, weichlicher Mund, zu große Ohrläppchen, zu dünne Beine, zu komische Daumennägel, sie fand immer etwas. Sie kaute auf ihrem Stift, wie sie das so gern tat, wenn sie nachdachte. So schaute sie aus dem Fenster und beobachtete, wie Familien den Sonntagnachmittag für einen kleinen Bummel durch die Nachbarschaft nutzten. Ihre Gedanken waren bei der Liste. Und plötzlich hatte Julia die Lösung für all ihre Probleme, die Namen, den Mann. Sie nahm ein frisches Blatt kariertes Papier von ihrem Block. Und darauf schrieb sie in ihrer besten Handschrift als Überschrift, unterstrichen und größer als den Rest: „Lösung für Mann und Kind“.

Sie machte einen Absatz und malte erst einmal viele Blumen an den Rand. Dann schrieb sie in den Blumenrahmen: „Ich werde nicht heiraten, ich werde keine Kinder bekommen, ich werde glücklich bleiben.“

Als ihre Eltern zurückkamen, waren sie hoch erfreut, dass ihre in den letzten Wochen doch recht nachdenkliche und eher stille Julia wieder das heitere, gelöste Mädchen war, das sie vorher gekannt hatten.