Krimi to go – B wie Blut (2/2)

Es würde also bluten in meinem Thriller, und zwar da, wo ich es für nötig halte, ohne dass es die Stimmung dominiert. Das Subtile ist heute nicht mehr gefragt, wer nicht eine oder zwei zerhackte Leichen detailliert beschreibt, ist wohl nicht mehr gerne gelesen? Dies ist ein weiterer Grund, warum mein Thriller, wenn ich ihn denn schriebe, zur Unverkäuflichkeit verdammt wäre. Vielleicht würde ihn, wenn die Idee gut sein sollte, ein Drehbuchautor aufgreifen und mit den nötigen Brutalitäten, Gewalttätigkeiten und „Blutergüssen“ publikumsnah aufpäppeln. Es ist nur noch die Frage, wie hoch die Summe ist, damit ich das ertragen kann. Wie bestechlich bin ich? Solange ich mir das Machblutwerk dann später nicht anschauen muss, sollte ein Milliönchen reichen.

Auch Bestechlichkeit beginnt mit B. Leider finde ich Bestechlichkeit ziemlich langweilig, vielleicht, weil sie so lebensnah ist. Brutalität gehört zum B, aber auch das mag ich nicht, weder brachiale Brutalität noch verhaltene über die Psychomasche. So hat der Film Clockwork Orange mich jahrelang verfolgt. Das brauche ich nicht auch noch selbst zu fabrizieren.

Wenn schon Blut, ergibt sich auch die Frage: Wie viele Leichen muss es geben? Reicht eine am Anfang für die ganze Geschichte? Oder ist es wie bei Inspektor Barnaby, bei dem immer eine Leiche auf die andere folgt? Mindestens zwei werden es dort, meist drei und gelegentlich vier, bis alle Verdächtigen einfach tot sind. Das vereinfacht die Aufklärung. Beides hat seinen Reiz. „Nur“ eine Leiche erfordert Handlungsnebenstränge, die den Leser wachhalten, das Geflecht der Geschichte muss dichter sein. Mehrere Leichen geben eine gute Sequenz vor und helfen dem Leser bei der Aufklärung, bevor der Autor sie auswalzt. Da ich selbst, wenn ich einen Krimi lese, immer auf den letzten Seiten anfange, damit die unerträgliche Spannung mir nicht das normale Lesetempo nimmt und ich nur noch den Text überfliege, wäre auch zu fragen, ob ich vielleicht gleich das letzte Kapitel an den Beginn setzen könnten. Dies sei für Zeiten verwahrt, wenn ich dann – theoretisch – das Erzählen beherrsche und auch einmal neue Pfade begehen kann.

Wie auch immer, bieten meine Beispielanfänge gute Aderlässe. Bei Anfang 1 ist es schon vorhanden, bei Anfang 2 erwarten wir alle, dass der Postbote beim Eintritt in den Garten jede Menge Blut sieht. Und im letzten, dem Versicherungsfall, liegt die Blutlache förmlich schon auf dem Schreibtisch, wenn dort von einem „Toten“ gesprochen wird. Auch wenn er schon länger im Grab oder einem Kolumbarium zu liegen scheint, wird er vielleicht exhumiert, was natürlich nur mit einem Grab, nicht dem humuslosen Kolumbarium funktioniert. Vielleicht könnte irgendwo noch eine Blutprobe von ihm umherschwirren. Und wenn man die Geschichte gar nicht dahin bekommt, dass die erste Leiche Blut lässt, kommt eben eine zweite Leiche hinzu. Da möchte ich natürlich nicht unsere beiden Bis-Jetzt-Protagonisten heranziehen, zu sympathisch sind sie mir schon. Vielleicht die nette, aber ach-so-genaue Chefin? Auch wenn mir jetzt nicht einfällt, warum so eine Abteilungsleiterin blutig dran glauben muss, so gibt es da bestimmt Möglichkeiten. Im Zweifelsfall kann immer die Mafia dafür herhalten, obwohl ich eigentlich niemals Krimi mit der Mafia lese und außer „Dem Paten“ auch nicht sehen mag.