Krimi to go – D (2/3)

Der Dolch in diesem Mordfall ist selbstverständlich frei von Fingerabdrücken und wurde dem Opfer mit voller Wucht in den Körper gerammt. Wohin genau? Das habe ich am Anfang nicht geschildert, die Herzgegend wäre schon mal nicht schlecht. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, weil ich mich sonst in forensische und anatomische Details vertiefen und verlieren müsste, was ich auf jeden Fall vermeiden möchte. Es darf etwas Blut in meinem Thriller vorkommen, aber nur kurz und nicht als Grundlage vieler Seiten. Der Dolch ist da schon interessanter, die Frage ist nur: Wie komme ich um ausgiebige Nachforschungen herum, wenn ich ihn nutzen will? Ich werde einfach schauen, ob der Dolch in eine Spur führt.

Braucht der Postbote einen Dolch? Er könnte darüber nachdenken, wie ihm die mitteilsame Frau Mustermann einmal lachend erzählt hat, dass sie ihre Briefe immer mit einem für diesen Zweck völlig überdimensionierten Dolch öffnet. Als er nun um die Ecke in den Garten kommt und er das grauenhafte Bild sieht, das sich vor seinen Augen ausblutet, sieht er als erstes Frau Mustermann, den Dolch umklammert, der in ihrem Bauch steckt. Er denkt, und weiß gleichzeitig, wie furchtbar das ist: „Da hat Frau Mustermann sich selbst wie einen Brief öffnen wollen“, er kichert völlig verstört und hilflos. So findet ihn auch Caesar Hellerwiese, der – so sagt er zumindest – gerade auf dem Weg war, um sich von seiner Schwester ein wenig Geld zu leihen. Oder vielleicht sogar welches zurückzubringen? In diesem Falle hätte er ein Bündel Geldscheine bei sich, deren Herkunft erklärungsbedürftig ist. Der arme sensible Postbote wird sich von diesem Schock seiner eigenen grausamen Gedanken nie richtig erholen und wird sein restliches Leben lang in unregelmäßigen Abständen wiederholt wochenlang in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Somit ist Caesar Hellerwiese auch am Tatort. Ist er ein Mörder, der zum Tatort zurückkehrt? Wo sind die anderen Familienmitglieder? Caesar hat einen schrecklichen Verdacht und stürmt ins Haus, statt erst einmal die Polizei zu rufen. Er weiß auch nie genau, ob er nun 111 oder 112 wählen muss und ob das auf dem Handy auch geht. Hier verlassen wir die desolate Szene.