Krimi to go – G (1/2)

G wie Gericht, Gerichtsmedizin und Geld(gier)

Szenen vor Gericht fallen flach. Ich war außer bei einer Scheidung noch nie bei Gericht und müsste mir alles anlesen, ohne Gewähr, dass es stimmt. Auf Fernsehgerichte möchte ich mich schon gar nicht verlassen. Erst recht gilt das für die Gerichtsmedizin, die heute unter englischem Einfluss schon ständig Forensik genannt wird. Forensische Themen stehen nicht nur meinem fehlenden Wissen entgegen. Ich mag nicht in Blut waten, über Blut schreiben oder mich gar mit noch ekligeren anatomischen Einzelheiten beschäftigen, wie ich weiter oben schon ausführlich erwähnt habe und vermutlich noch ein paar Mal hinzufügen werde. Da bleibt das Geld. Geld und Geldgier sind immer gute Motive. Zumindest im Falle Caesar Beyer, unserem Mordopfer auf der Straße, lässt sich das leicht herausarbeiten, immerhin trug er die Juwelen bei sich und war Sparkassenleiter, da klingelt die Kasse auf allen Kanälen. Hier liegt das Motiv Habgier näher als eine Beziehungstat, wenn ich so genauer darüber nachdenke. Obwohl eine Kombination von Loswerden des schnöden Mammons willen und Loswerden für den anderen Mann sicherlich auch plausibel ist.

Beim Hinscheiden von Frau oder gar der ganzen Familie Mustermann erscheint mir doch das Geld allein ein wenig billig. Vor allem kommen mir auch gegen meinen Willen immer sehr blutige und grausame Bilder in den Kopf, wenn ich an das stille Haus denke, das der Postbote mit Caesar H. betritt. Das riecht förmlich nach einem – man entschuldige den Ausdruck – Familienschlachtfest. Wobei natürlich auch dort ein finanzielles Giermotiv im Hintergrund stehen könnte. Dass Geiselnehmer und Räuber nicht pingelig sind mit der Zahl der Opfer, wenn sie Häuser überfallen, kennt man zur Genüge aus der amerikanischen Krimiliteratur. Nun ja, vielleicht habe ich einfach die falschen Romane gelesen, aber mir drängt sich das Bild immer auf. Dann wäre natürlich eher davon auszugehen, dass die Täterschaft familienfern ist. Oder ein auf Abwege (durch Drogen?) geratener Cousin dritten Grades von Herrn Mustermann, der die Täter auf die Spur gebracht hat. Die blutigen Spuren und die hohe Grausamkeit am Tatort lassen gut auf Drogensucht und halben Wahnsinn schließen. Der Cousin ist dann mitten während des Gemetzels quasi aufgewacht und versucht noch aufzuhalten, was aufzuhalten ist. Muss denn wirklich auch Stefanie, die angstverschreckt und weinend in einer Ecke sitzt und schon beobachtet hat, wie ihre Eltern misshandelt und abgeschlachtet wurden, noch mit dem Messer attackiert werden, bis sie an mehreren schweren Stichverletzungen ausblutet und ihren vorwurfsvollen, tränenverhangenen starren Blick auf den Cousin gerichtet hat? Dieser Blick wird ihn verfolgen. Da könnte ich mir sehr dramatisch auch noch einen Selbstmord nach Ausnüchterung vorstellen. Der Cousin dritten Grades ist übrigens ein Vetter von Klara-Anna und trägt den schönen Namen Johannes, der gewaltsam modernisiert zu Johnny verkürzt wird.