Krimi to go – G (2/2)

Ich denke, diese Linie der Geschichte würde ich nicht so gerne verfolgen, eben wegen der Grausamkeiten. Möchte ich denn etwas schreiben, was ich selbst nicht lesen will? Warum kommen mir, die ich jegliche Art von Blutbaden oder forensischen Untersuchungen, ja schon ausgewalzte Geburtsgeschichten verabscheue und bei mir bis zu weichen Knien und flauem Gefühl im Magen führen, ständig diese brutalen Bilder in den Kopf? Das ist seit Notieren der ersten Szene in meinem Kopf und will und will nicht gehen, auch wenn ich noch so sehr versuche, diese Geschichte in eine andere Richtung zu drängen.

Der Versicherungsfall passt natürlich perfekt in diese Rubrik. Da geht es vorwiegend um Geld, das wird jeder mutmaßen. Angefangen, so könnte ich mir das vorstellen, hat es mit einem vorgetäuschten Tod zwecks Versicherungsbetrug. Wie man das aus Krimis so kennt, wird der scheinbar Tote durch Mord dann zum echten Toten. Wo bleibt dann das Geld? Hier bliebe der umgekehrte Weg: Es fängt mit Geld an (dem Betrug) und endet mit einer Beziehungstat. Mafiaverstrickungen wären hier ein guter Weg. Die spätere Leiche braucht jetzt einen Namen. Versuchen wir es mit Manfred Kleinhaus. Was jetzt nicht bedeutet, dass unsere nette Nadine auch Kleinhaus heißt, da gibt es doch die Namensänderungen bei Heirat. Andererseits gefällt mir Manfred Kleinhaus als Name für einen Betrüger und ein mögliches Mafiaopfer nicht wirklich. Ein italienischer Name wäre wiederum sehr plump und wenig überzeugend. Warum muss Manfred (= Arbeitsname) überhaupt diesen Versicherungsbetrug starten? Er muss in windige Geschäfte verwickelt gewesen sein, oder hatte er Spielschulden? Spielschulden klingt jetzt sehr gut! Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen, er war mit den Kollegen Weihnachten im Spielkasino in Aachen gewesen, das erste Mal in seinem Leben. Er fand es eigentlich eher alles ziemlich langweilig, war unglücklich mit der kleinkarierten Jacke, die er für den Zweiteiler an diesem Abend ausgewählt hatte. Er nippte an einem Glas Orangensaft, denn er wollte noch Autofahren. Tja, und dann hatte er plötzlich Glück an so einer Maschine, die Münzen purzelten heraus. Er spielte eine Viertelstunde weiter, dann beim Roulette, und immer war der Gewinn an seiner Seite. Alle haben darüber gescherzt und in fröhlicher Stimmung fuhr man in drei Autos heim. Aber der Virus hatte Manfred gepackt. Er fuhr eine Weile regelmäßig nach Aachen, was ihm dann zu weit wurde und nahm die Einladung zu einem kleinen Spielclub in seinem Ort an. Weiter und weiter hinab ging die Unglücksspirale. Das Auto verkauft, eine Hypothek auf die Eigentumswohnung, seine Frau entnervt, sein Kind entnervt…