Krimi to go – H (1/2)

H wie Herz

Mal abgesehen davon, dass ein Herz immer ein gutes Ziel für eine Mordwaffe ist, kann es in einem Thriller auch eine wesentliche Rolle spielen.

Ein Herz kann man mit dem Messer öffnen, eine Kugel darauf zielen oder ein Spezialgift in den abendlichen Kakao mixen. Ein Herz kann bei der Autopsie eine wichtige Rolle spielen. Richtig im Mittelpunkt steht das Herz jedoch selten in einem Thriller. „Mitten ins Herz getroffen“, „die Klinge ging mitten ins Herz“ – und das war’s eigentlich schon. Das reicht mir dann, denn bekanntermaßen sehe ich den notwendigen Mord in einem Thriller lieber etwas abstrakter, nicht so fleischig, nicht so blutig.

Da ist mir das Herz im romantischen Sinne schon lieber. Allerdings müsste ich, würde ich dann einen Thriller schreiben, auch darauf achten, dass diese Art von Herz nicht überhandnimmt. Ansätze für herzige Verwicklungen gibt es in allen drei Beispielen: Mordopfer Caesar Beyer mit seinen beiden Ehefrauen und deren möglichen außerhäusigen Herzensangelegenheiten, Familie Mustermann mit allen Verwicklungen und dem möglichen Happy End zwischen Caesar Hellerwiesen und Klara-Anna. Wobei ich mich an dieser Stelle frage, wie denn die Eltern von Klara-Anna so einen unmöglichen Namen wählen konnten. So viele A, und dann stößt das A am Ende von Klara noch auf das A am Anfang von Anna. Das kann man kaum aussprechen. Wird Caesar sie daher später, wenn sie zum du übergehen, Klärchen, Ännchen, Klarinette, Schatzi nennen? Im Beispiel Nummer Drei ist von Anfang an das Herz zwischen Caesar Dubczik und Nadine angelegt. Dies alles könnte unproblematisch sein.

Wie viel Herz möchte ich denn nun im Thriller oder Kriminalroman und wo? Möglich ist auch immer noch ein bis hierher unbekannter Inspektor, der sich in eine Zeugin verguckt. Oder eine Kommissarin, die dem Charme von Hellerwiesen erliegt? Ich kann mich natürlich auch von den drei bekannten Beispielen lösen und einen ganz neuen Strang entwickeln. Dann kann ich am Ende schauen, ob sich das mit einer Geschichte verträgt.

Sehr beliebt ist auch, dass die Hauptverdächtigen gleichzeitig dem Detektiv / Kommissar (ich setze jetzt mal nicht immer auch die weiblichen Formen ein, ich kann’s nun mal nicht leiden) so nahe sind, dass er sich zwischen beruflichen Pflichten und herzlichem Bedürfnis hin- und hergerissen fühlt. In einem Gespräch kann dann kriminelle Spannung parallel laufen zu emotionalem Geknister. Wie das in Romanen so ist, könnten beide extrem gutaussehend sein. Da mittlerweile auch in die Werbung schon viele Normalmenschen eingezogen sind, können wir das hier auch einführen. Also keine superhübschen Helden, ganz normal, wie weiter oben beschrieben. Also der Kommissar (Nikolaus Junghans, genannt „Niko“) ist so um die 1,83 Meter groß. Sportlich, nicht auffällig muskulös. Seine Haare sind an der Stirn etwas weiter im Rückzug begriffen, als es seinem Alter von 43 Jahren entspricht. Eine tiefe Falte teilt seine Stirn in zwei Hälften, was ihn ernster aussehen lässt als er ist. Diese Falte ist ein Erbmerkmal. Er ist dunkelhaarig. Nee, dann wäre er stark behaart, das ist nicht so recht der Zeitstil. Also ist er mittelbraun in der Haarfarbe, nur Flaum liegt auf den Handgelenken, die Hände sind bitte schön gänzlich unbehaart. Seine Augen, tiefdunkel, bilden einen See des Verständnisses. Ja, das ist eine schöne Formulierung!