Krimi to go – H (2/2)

Weiterhin herzerwärmend ist unser Caesar Hellerwiesen. Seit der letzten Bearbeitung dieses Alphabets sind viele Wochen vergangen. Ich müsste jetzt also den ganzen vorherigen Text noch einmal lesen, damit ich alles wieder gegenwärtig habe. Ein weiterer Grund, warum ich kein Buch schreiben möchte – es wird bei mir immer wieder zeitliche Lücken geben, dadurch entsteht ein Aufwand, will ich konsequent sein. Zum Glück bin ich zur Konsequenz und Einheitlichkeit nicht selbstverpflichtet, denn es ist ja nur ein Alphabet mit Beispielen. Geschickt aus der Schlinge gezogen, ha! Caesar ist mir als Sympathieträger auch noch ein wenig gegenwärtig, ferner weiß ich noch, dass er immer als das schwarze Schaf galt. Warum eigentlich?

Da gäbe es die Variante des Lebemanns, also des Charmeurs. Die hatte ich ihm wohl schon zugewiesen. Ein gewinnendes Lächeln, ein Grübchen, da wird auch gerne von blitzenden Augen gesprochen.

Wie sollte Caesar als Sympathieträger beschaffen sein? So richtig erfolgreich im Leben war er nie, in der Schule hat er es immer mit Ach und Krach geschafft, und das trotz seiner – natürlich – hervorragenden Intelligenz. Er war intelligent genug, sich nicht als Hochbegabter zu positionieren, weil er schon früh ahnte, dass das mit Stress und einer Aufmerksamkeit verbunden wäre, die er sich nicht wünscht. Also bloß nicht zu sehr versagen in der Schule, das könnte den Blick auf ihn lenken, ebenso wie zu gute Ergebnisse es könnten. Ein Studium hätte er sicher locker abschließen können, auch wenn ihm seine mäßigen Noten einige Fachrichtungen versperrt hätten. Man hätte vielleicht erwartet, dass er eine künstlerische Richtung einschlägt, aber auch das behagt ihm nicht. Sicher hätte er genug Verstand für die IT-Branche. Da ihm die Zahlen nur so zufliegen und somit Langeweile damit verbunden ist, interessiert ihn das auch nicht. Irgendwann hat er ein kleines Import-Export-Geschäft eröffnet, von dem Dunkles gemurmelt wird, niemand weiß Genaueres. Ihn jetzt zum Detektiv umzuformen, wäre zu üblich und bereits bekannt. Vielleicht nennt er auch ein kleines Erbe sein eigen, von dem er gut leben kann, ohne allzu große Sprünge machen zu können? Und zwischendurch verdient er sich ein paar Extra-Euro als Reiseleiter / Fitness-Trainer / Ski- und Tennislehrer? Ich kann es an dieser Stelle nicht entscheiden, die zündende Quelle seines Einkommens ist mir noch verschlossen. Es sei denn, es ist das vorher erwähnte Fitnessstudio.

Im Auftreten ist er freundlich und gut gelaunt, nur selten wird er richtig böse. Natürlich hinterlässt die traurige Szene der Morde an seiner Schwester schon einen tiefen Eindruck bei ihm und er legt seine ganze Intelligenz und sein Geschick in die Auflösung, soweit er dabei helfen kann. Eine nette Kommissarin wäre da zum Beispiel sehr passend.

Mit der Wahrheit nimmt er es nur bedingt genau, was auch dazu führt, dass er eine Weile von offizieller Seite zum Kreis der Verdächtigen gezählt wird. Ein Happy End wäre hier mit der Kommissarin möglich, aber auch mit der bereits erwähnten Klara-Anna Schwesig. Zu trübe fände ich es jedoch, wenn er dann plötzlich ernsthaft einer „bürgerlichen“ Tätigkeit nachginge, immerhin ist dies keine Schmonzette, sondern ein Kriminalroman. Happy End gerne, aber schon mit Blick auf die Schwierigkeiten, die entstehen werden, weil er weder eine geregelte Arbeit aufnehmen noch den Hausmann spielen möchte.