Krimi to Go – I (wie in Igel) 2/2

Wenn der Arzt unschuldig ist, könnten die IGeL-Leistungen die entsprechenden Hinweise ergeben. Da ist einmal zu schauen, was denn bei einem Frauenarzt so als IGeL-Leistung gezählt wird?

  • Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, die ohne konkreten Verdacht keinen Sinn macht. Sie führen gelegentlich zu falsch-positiven Ergebnissen und teilweise werden in Folge dieser Untersuchung Eierstöcke bei einer Frau völlig unnötig entfernt. Das ist doch ein Mordmotiv, eine Frau, Ende dreißig, die gerne schwanger werden will, aber ohne Eierstöcke geht das nun nicht mehr. Es bleibt allerdings dahingestellt, warum sie dann die Arzthelferin Frau Mustermann auf brutalste Weise umbringen sollte. Unrealistisch ist es zu denken, dass der Frauenarzt, von dieser Patientin in den Schwitzkasten genommen und mit dem Messer am Hals, Frau Mustermann als Verantwortliche herausschreit. Würde die Patientin das glauben?
  • Ultraschalluntersuchung der Brust: Es soll Fälle geben, wo diese Untersuchung eine sinnvolle Ergänzung zur Mammografie sein soll. Wenn man denn der Mammografie Vertrauen schenkt. Auch kein Motiv. Oder hat Frau Mustermann als Patientin des Arztes nach einer solchen Untersuchung gedroht, ihm den beruflichen Garaus zu machen? Und der Frauenarzt, von Berufs wegen schon mit kurzer Geduld, brutaler Einstellung und fehlender Sensibilität ausgestattet, fühlt sich und seinen luxuriösen Lebensstil bedroht? Sehr unwahrscheinlich.
  • ThinPrep-Test (Dünnschichtzytologie): Bei diesem Test werden zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs Zellen am Gebärmutterhals entnommen und vor der Untersuchung im Mikroskop auf bestimmte Weise gereinigt. Vom Berufsverband der Frauenärzte wird dieser Test nicht empfohlen, da die Ergebnisse auch nicht besser seien als durch konventionelle Untersuchungen. Ein kriminelles Motiv ist hier nicht wirklich verborgen.
  • HPV-Test: Einige Typen dieser Virengruppe – Humane Papillomviren (HPV) – werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und können zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beitragen. Ohne einen krankhaften Krebsabstrich bringt dieser Test nichts. Ein positiver Test könnte, da neunzig Prozent der Infektionen ohne Folgen heilen, eine extrem negative Auswirkung auf die betreffende Frau haben, die sich dann für schwer krank hält. Auch hier wäre das Mordmotiv eher zu finden, wenn der Arzt das Opfer ist, nicht jedoch auf andere Weise in den Fall verwickelt.
  • Chlamydien-Test, der sich bei Frauen ab fünfundzwanzig Jahren nur lohnt, wenn sie wechselnde Sexualpartner haben. Da die Infektion keine Symptome bewirkt, werden diese Infektionen sonst kaum entdeckt. Kein Mordmotiv.
  • Test auf sexuell übertragbare Infektionen: Tests auf HIV, Syphilis und Tripper, die ohne Symptome der Krankheit außerhalb der Schwangerschaft nur sinnvoll sind, wenn ein konkreter Anlass besteht. Gehen wir davon aus, dass Frauenarzt Dr. Köhler (der Name gefällt mir hier) seine Patientinnen, zu denen auch Frau Mustermann zählt, missbraucht und dabei Geschlechtskrankheiten überträgt, ja nahezu pervers einen Übertragungsversuch gutheißt, und somit auch die kleine Stefanie bei ihrem ersten Besuch beim Frauenarzt angesteckt hat, was sich in einer IGeL-Untersuchung zeigt, Das könnte über eine Bedrohung durch die engagierte Mutter Mustermann zu dem Mord geführt haben. Die Verwüstungen vor Ort und der Mord an den anderen Familienmitgliedern dienen dann nur der Vertuschung der Tat.
  • Hormonanalysen wie Menopausen-Test und Hormonstatus: Die Probleme, die ein solcher Test finden kann, müssen nur dann behandelt werden, wenn die Patienten auch Wechseljahrsbeschwerden wie beispielsweise Hitzewallungen hat. Auch hier kann ich selbst mit der Lupe kein Motiv entdecken.