Krimi to Go – K (1/3)

K wie Kalender, Kontaktlinsen und Kakao

Ganz ehrlich, um einmal das berühmte Pferd von hinten aufzuzäumen: Den Kakao habe ich hier nur aufgenommen, weil er – mit reichlich Ingwer – mein Lieblingsgetränk ist. Eigentlich bringt er für einen Krimi nicht so richtig etwas, „Der Kakao bringt es an den Tag“ wäre natürlich trotzdem ein spannender Titel. Vielleicht lasse ich einfach einfließen, dass sich unsere Computerexpertin Klara-Anna keinen Tag am PC ohne ihren Riesenbecher Kakao vorstellen kann. Auch Frau Mustermann mag ihn sehr, nachmittags vielleicht mit einem kleinen Schuss Rum darin. Das wäre eine kleine Pointe zu meiner speziellen Freude, nichts aber für das dramatische Geschehen.

Ich arbeite mich weiter von hinten nach vorn: Kontaktlinsen sind gut, weil man damit eine falsche Augenfarbe vortäuschen oder überhaupt eine Augenschwäche vor den Mitmenschen verbergen kann. Dann kann es Szenen geben, wo kurz vor Aufklärung der Detektiv den Hauptverdächtigen von allem Verdacht befreien kann, weil der ohne seine Kontaktlinsen gar nicht richtig sehen konnte, was ihn letztendlich zu dem Mord hätte veranlassen können. Ich lasse das hier so schwammig stehen, weil ich gerade feststelle, dass Kontaktlinsen einfach nicht mein Thema sind.

Der Kalender gehört in jeden guten Krimi. Da finden wir zum Beispiel Termine, die man sowohl in der Vergangenheit als auch zukünftig zu verfolgen hat, die echte Spuren liefern, die sich verfolgen lassen – durch die Leser, einen Kriminalbeamten oder den Hobbydetektiv.

Caesar Beyer ist förmlich prädestiniert dafür, zu Hause auf dem mahagonifarbenen Schreibtisch so eine dicke Kladde liegen zu haben, darin hat jeder Tag eine Seite für sich, die in Stunden aufgeteilt ist. Rund um die Uhr, darauf hat er immer Wert gelegt, nicht so ein Kalendarium, das erst um sieben Uhr beginnt und um einundzwanzig Uhr endet. Der Kalender hat eine Lederschutzhülle, die Herrn Beyer und seine Kalender jedes Jahr begleiteten, dementsprechend edel-abgegriffen ist sie schon. Manche Einträge sind in seiner pedantisch-ordentlichen Schrift vorgenommen, andere sind nur unverständliche Abkürzungen, wie „J., A., R, 16h, L“. Im Laufe des Geschehens werden wir erfahren, dass Herr Beyer nach Antwerpen zu fahren gedachte, wo er einem geheimnisvollen Richard eine Lieferung dieser wertvollen Juwelen übergeben wollte. Man weiß nicht, inwieweit Caesar sich mit seinem Abkürzungsfimmel selbst das Leben schwergemacht hat, weil er doch schon hin und wieder grübelnd über dem Kalender hockte – wie sollte er auch noch im September noch wissen, was eine im März eingetragene Buchstabenfolge von „D., S., 4, 735, K“ nun bedeuten soll? Wir wissen es übrigens auch nicht. Dem findigen Kommissar sind dies wertvolle Hinweise, die ihn letztendlich auch zum Mörder führen. Wobei wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ob das Mordmotiv eher im finanziellen oder emotionalen Umfeld zu finden ist.

Sehr naheliegend wäre es auch, wenn Beyers erste Ehefrau Kirstin dort gerne nachschaut und einen Detektiv damit beauftragt, die regelmäßig wiederkehrenden Einträge „S.,Blumen,“ oder „S,Geschenk“ (wichtige Dinge schrieb er auch gelegentlich mit ganzen Wörtern) zu erleuchten, um auf Sandra zu stoßen. So kam es zur Scheidung, zur zweiten Ehe… alles ändert sich, nur dem ledergebundenen Kalender blieb Caesar Beyer sein mittellanges Leben treu. Oder in zweiter Ehe mit Sandra findet der Kriminalist Hinweise auf Boris, es dauert allerdings eine Weile, bis ihm das klar wird. „B+S,D Müller,M,9.30“ versteht nicht jeder direkt als an einen Auftrag an Detektiv Müller, Boris und Sandra zu beobachten, Termin mit dem Detektiv (selbstverständlich so ein schmieriger Nichtsnutz) 9.30 Uhr am Montag.