Krimi to Go – K (2/3)

Frau Mustermann aus Fall 2 ist mit dem Führen eines elektronischen Kalenders an PC und Smartphone bestens vertraut. Daher führen sie und ihr Mann auch ihre privaten Termine in einem Kalender, den sie vernetzt haben und gemeinsam pflegen. Das Tippen geht schnell von der Hand und es gibt nur leserliche Einträge. Aber, und hier kommt die Bedeutung des Kalenders in Spiel, was nicht jeder auf Anhieb sieht, sind die gelöschten Einträge. Der Mörder der Familie hat sich in den Kalender eingehackt und hat entsprechend alle Einträge gezielt gelöscht, die Hinweise auf seine Identität geben könnten. Da kommt passend Klara-Anna ins Spiel, die ihrem Fasttraummann dabei hilft, die alten Einträge zu rekonstruieren. Davor muss allerdings das Passwort aufgedeckt werden. Das bringt technische Highlights, die ich wohl auch ohne größere Recherchen hinbekomme, ohne dass es allzu dämlich wirkt. Das Entschlüsseln der gelöschten Einträge bringt noch nicht die endgültige Lösung, durchaus aber einen richtig fetten Hinweis. Sagen wir einmal – das ergibt dann zwei Hauptverdächtige, zwischen denen es zu entscheiden gilt. Wobei in diesem Fall noch nicht wirklich Verdächtige aufgetaucht sind, das sollte dann spätestens bei V geschehen. Wichtig ist, dass beide Hauptverdächtige gefährliche Typen sind, das Leben von Klara-Anna hängt gegen Ende hin an einem dünnen Faden – und schließlich wird sie gerade noch von Caesar Hellerwiesen gerettet. Das ist schön klassisch. Im Sinne der Emanzipation hätte ich natürlich auch Caesar in eine Falle tappen lassen können, Klara-Anna rettet ihn nicht durch ihre Computerkenntnisse, sondern durch ihre in der Freizeit erworbenen Fähigkeiten im Kampfsport. So etwas kommt immer gut, vor allem wenn ich an eine eventuelle Verfilmung denke, was ich natürlich die ganze Zeit tue. Vermarktung ist alles!

Klara-Anna hat schon als junges Mädchen mit dem Kampfsport angefangen. Seit sie denken kann, hat sie nämlich Angst vor Hunden, sei es ein niedlicher kleiner Dackel oder ein riesiges schweres Rottweiler-Muskelpaket. Nach einem Jahr Psychoanalyse war diese Angst immer noch nicht beseitigt, weshalb ihre Eltern sie bereits mit 10 Jahren Jiu-Jitsu erlernen ließen, Kickboxen und Aikido kamen später hinzu. Nicht, dass man einen Dackel jetzt unbedingt mit Kickboxen bekämpfen muss, aber Klara-Anna bekam so das wichtige Gefühl der Sicherheit, sobald sie einen Hund sah. Wobei ich, die ich Hunden auch sehr kritisch gegenüberstehe, gerne eine Szene einbauen würde, wo sie einen Rottweiler mit zwei gezielten Tritten zur Strecke bringt. Schon ist es kombiniert: Der Mörder hetzt seinen Rottweiler auf Caesar, der zwar sportlich, aber nicht kampfsportlich trainiert ist. Klara-Anna springt aus dem Dunkel hervor, zwei, drei Tritte – und der Rottweiler liegt flach, nur noch unter größter Anstrengung hechelnd, auf dem Boden. Kiefer gebrochen. Tja, sehr gut, und dann geht die Jagd nach dem Mörder los, denn gesehen hat ihn niemand, es fand alles im Dunkel der regennassen Nebenstraßen statt. Klara-Anna und Caesar sind beide sehr sportlich, haben sich gelegentlich schon zum Dauerlauf verabredet und sprinten den Täter zur Strecke. Wer immer auch der Täter sein mag. Wie wir wissen, ist der Cousin Johnny Schwesig verwickelt!

Im dritten Fall des Versicherungsbetrugs mit nachfolgendem Mord gibt es mehrere Kandidaten für einen Kalender. Natürlich hat unser Versicherungsdetektiv einen gut geführten Kalender auf dem PC, vernetzt mit dem Online-Kalender der Versicherung (in der Cloud). Dieser Kalender ist aber für einen Krimi an dieser Stelle nicht zielführend. Die Chefin von Caesar führt noch einen privaten kleinen Handkalender für außerbetriebliche Dinge, denn sie ist sehr genau. Sollte sie ein weiteres Mordopfer werden, können wir hier ruhig einen zielführenden Hinweis platzieren. Dann muss sie langsam einen Namen bekommen. Sarah als Vorname gefällt mir gut, sie ist Mitte vierzig und trägt einen Doppelnamen: Sarah Kleinschmidt-Caetano. Sie ist mit einem Brasilianer verheiratet, der rund zehn Jahre jünger ist als sie. Er könnte in den Kreis der Verdächtigen geraten, falls sie zum Mordopfer wird. In ihrem Kalender sind Hinweise auf Friseurtermine, ein Wellness-Wochenende, kleine Modenschauen, eine Vernissage usw. Ich mag das Wort Vernissage sehr, daher habe ich es schnell hier eingepflegt, so wie Sarah eben auch eine sehr gepflegte Frau ist. Beim Namen Caetano und im Wissen, dass es sich um einen Brasilianer handelt, der auch noch Vesuvo mit Vornamen heißt, erwarten wir einen temperamentvollen, schwarzgelockten jungen Mann mit Strahlemannlächeln.