Krimi to Go – K (3/3)

Das täuscht. Zwar ist er dunkelhaarig, aber sein Haar ist eher strähnig und für das Alter schon recht ordentlich auf dem Rückzug begriffen. Seine Augen sind es wohl, die Sarah für ihn gewonnen haben, Mandelaugen nennt man das bei Frauen, lange Wimpern, ein nettes Lächeln. Er ist nicht sehr groß, gerade mal zwei Zentimeter größer als sie, wenn beide barfuß sind, und von Gestalt eher schmächtig. Er hat in Brasilien eine deutsche Schule besucht, weil seine Eltern das für klug hielten. Eventuell hat er sogar indianisches Blut in den Adern? Sein Temperament ist eher still-düster, was ihn zum Mörder prädestinieren könnte. Dank seiner guten Deutsch- und Brasilianisch-Kenntnisse arbeitete er erst in einem Import-Export-Geschäft und hat jetzt eine Anstellung bei einer Bank. Wir wissen (noch) nicht, ob er dubiose Geschäfte mit brasilianischen Kleinkriminellen führt. Er hat keinen Kalender und verlässt sich – außer bei der Arbeit – lieber auf sein sprichwörtlich phantastisches Gedächtnis, d.h. es ist nicht nur sehr gut und präzise, er kann auch sehr geschickt, die Vergangenheit ein wenig an der Realität vorbei ausschmücken, wenn er merkt, dass sein Gegenüber nicht mehr alle Fakten parat hat.

Und dann haben wir natürlich Manfred, den lebenden Toten. Da seine angebliche Leiche in einem Kolumbarium (ebenfalls mit K) weilt, ist eine Exhumierung nicht möglich. Ich weiß auch einfach nicht, ob Asche eines Toten noch DNA-Spuren enthält. Bei den Temperaturen, die dort herrschen, tippe ich einfach auf nein. Liege ich falsch und der Krimi geht in diese Richtung, wappne ich mich schon jetzt gegen die erbosten Zuschriften von DNA-Spezialisten und Wissenschaftlern, die nach Luft ringend fassungslos sind, wie ich ohne entsprechende Kenntnisse einfach so einen Humbug verbreite. Böse Zuschriften sind sowieso unausweichlich, dann lieber welche, die auf Tatsachen beruhen und sich auf Fehler beziehen, für die ich mich tränenreich entschuldigen kann, als – wie es hin und wieder passieren soll – irgendwelche völlig aus der Luft gegriffenen Fetzkritiken, bei denen sich der Autor fragt, ob der hasserfüllte Sermon wirklich von einer Person stammt, die mehr als zwei Zeilen von dem Werk gelesen hat – wenn überhaupt. Back to Manfred.

Unter seinem Nachlass befindet sich natürlich auch ein Kalender. Dieser ist sorgsam geführt und dient durch verschiedene Einträge dazu, die Hinterbliebenen auf eine falsche Fährte zu locken, damit keiner auf die Idee kommt, er sei vielleicht gar nicht verstorben. Wobei mir auffällt: Ich habe seine Todesart noch gar nicht festgelegt. Das verschiebe ich noch, weil ich gleich Mittagessen möchte und mich daher von gegebenenfalls unappetitlichen Themen fernhalte. Auf jeden Fall spielt der Kalender deshalb so eine große Rolle, weil Caesar und Nadine rätseln, wie ein Toter auf ein Radarfoto gerät. Die Erleuchtung kommt ihnen, als Caesars ältere Schwester ihren Bruder besucht und mit Caesar und Nadine in einer Pizzeria sitzt. Catharina mag weder Pizza noch Pasta, trinkt nur einen Kaffee und beobachtet die beiden Fastturteltäubchen über den Rand ihrer Brille. Die beiden sprechen auch über den Kalender, der auf dem Tisch liegt. Während unserer Turtler dann schließlich doch die Pizza ihrem Bestimmungsort zuführen, blättert Catharine in dem Kalender – und entdeckt ein Muster der Eintragungen, das wichtige Hinweise ergibt. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was das sein könnte, schade. Vielleicht fällt mir dazu noch etwas ein. Chiffrierte Notizen machen keinen Sinn, weil Manfred den Kalender angelegt hat, gerade um seine Angehörigen usw. an der Nase herumzuführen. Es könnte aber zum Beispiel sein, dass gewisse Dinge merkwürdigerweise ausgelassen wurden bei den Eintragungen, weil Manfred sie in der Bemühung um Fälschung als für zu unglaubwürdig unterschlagen hat. Sachdienliche Hinweise sind hier sehr willkommen, sonst wird dieser Kalender zur Sackgasse.