Krimi to Go – M (2/2)

Wikipedia weiß auch unter dem Stichwort „Mord“ ein wenig über Mordlust zu sagen:

Das Mordmerkmal der Mordlust wird allgemein dann als verwirklicht angesehen, wenn die Tötung eines Menschen dem Täter als Selbstzweck dient. Dies soll immer dann der Fall sein, wenn es dem Täter allein darum geht, einen Menschen sterben zu sehen, damit anzugeben, sich nervlich zu stimulieren oder die Zeit zu vertreiben oder wenn der Täter die Tötung eines Menschen als sportliches Vergnügen betrachtet.[27] Entscheidend ist, dass der Täter keinen Anlass zur Tötung gerade seines Opfers hatte. […] Einschränkend wird [für die Definition] gefordert, dass der Täter mit voller Absicht handelt, womit insbesondere Tötungen mit Eventualvorsatz ausgeschlossen werden.[29]

Auf dem weiteren Weg meiner Minirecherche stieß ich auf ein Buch von Gerard Jones mit dem Titel „Kinder brauchen Monster: Vom Umgang mit Gewaltphantasieren“, Kurzzusammenfassung auf Amazon:

Viele Eltern erschrecken, wenn sie sehen, welche Faszination Gewaltdarstellungen auf ihre Kinder ausüben. Der Psychologe Gerard Jones zeigt jedoch, weshalb die Auseinandersetzung mit fiktiver Gewalt für die Entwicklung von Kindern so wichtig ist, und gibt wertvolle Hinweise für einen verantwortungsvollen Umgang mit Gewalt in den Medien.

Das muss ich lesen, denke ich – denn wenn schon Kinder fiktive Gewalt quasi brauchen und von entsprechenden Darstellungen fasziniert sind, ist es für Erwachsene gar nicht so fremd oder widernatürlich, sich auf diese Pfade zu begeben. Das Buch habe ich mir bestellt. Der Unterschied liegt eben da, wo es in die Realität geht. So habe ich vor vielen Jahren einmal gelesen (daher keine Quelle), dass viele Frauen durchaus Vergewaltigungsphantasien mögen, was aber keineswegs heißt, dass sie wirklich vergewaltigt werden möchten oder (mein Gedankengang) vermutlich auch nicht besser mit so einer Tat umgehen können als die Frauen, die solche Phantasien nicht haben.

Morde aus Mordlust sind selten, wie wir im Hamburger Abendblatt erfahren (https://www.abendblatt.de/region/article107890331/Psychologe-Mordlust-ist-als-Tatmotiv-sehr-selten.html):

Das Motiv Mordlust kommt nach Ansicht des Kriminalpsychologen Prof. Rudolf Egg extrem selten vor. „Andere Gründe wie Habgier, Eifersucht, Wut oder Hass sind sehr viel häufiger“, sagte der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden. […] „Man kann unter Mordlust zum Beispiel so etwas wie eine sadistische Neigung verstehen, also eine Freude daran, andere Menschen zu quälen oder gar zu töten.“

„Der sadistische Mörder tötet aus Lust, so ungewöhnlich und unvorstellbar das klingt.“ Zahlen gebe es dazu nicht. „Ich würde meinen, das [sic] es im einstelligen Prozentbereich liegt, vielleicht sogar noch kleiner, aber das sind Vermutungen von mir. (…) Ich selber hatte noch nicht mit einem Mörder zu tun, bei dem man dieses Merkmal angenommen hatte.“ Zur Mordlust gehöre, dass die Tat spontan verübt werde und es in der Regel keine Beziehung zum Opfer gebe. Auch ein sexueller Lustgewinn könne eine Rolle spielen. „In aller Regel ist Mordlust etwas, dass eine sehr lange Entwicklung in der Persönlichkeitsgeschichte des Betreffenden hat.

Zurück zu den drei Handlungssträngen: Im Versicherungsfall würde ich Mordlust als Motiv ausschließen. Der Mord an Caesar Beyer könnte durchaus eine Mordlust-Komponente haben, was die zwei Tötungsarten erklären könnte. Eine motivlose Mordlust liegt im Fall Familie Mustermann so nahe, dass ich jetzt einmal unterstelle, dass die „depperte“ Polizei nur in diese Richtung recherchiert, während unser cleveres Detektiv-Duo Hellerwiesen-Schwesig sehr bald durchschaut, dass Mordlust nur vorgetäuscht wurde, um das wahre Motiv zu verschleiern.