Krimi to Go – N (1/4)

N wie Nichts

N zeigt sich einfallslos. Eine schriftstellernde Freundin gab mir Hilfen: Nektarinen, Nürnberger Lebkuchen, Nichtsnutze, Nullen, Neonröhren und Neandertaler. Das war wirklich eine große Hilfe und ich habe kurzerhand zwei Begriffe zusammengefasst, ich musste mich nur noch zwischen zwei Kombinationen entscheiden: Neanderinen oder Nektathaler. Dann aber besann ich mich eines Besseren, möchte ich doch näher an der klassischen Geschichtenschreibung orientiert sein. Kommen wir jetzt wirklich zum Buchstaben N.

N ist eben nichts, deshalb kann ich auf M zurückgreifen. Ein ganz raffinierter und überraschender Schachzug, wie er zu einem guten Krimi einfach dazugehört. Bei M habe ich mich zwar an der Mordlust ergötzt, aber das für jede Kriminalgeschichte unabdingbar dazugehörige Motiv einfach außen vorgelassen. Schreite ich nun zu den Motiven, die ich kurzerhand in Notive umbenenne, läuft wieder alles korrekt. Ich habe dazu das Internet zurate gezogen, das vier häufige Notive nennt. Diese gilt es nun gerecht auf die drei möglichen Abläufe zu übertragen. Wobei ich die Mordlust bereits abgehandelt habe, was auch gut so ist, denn wir wissen, dass sie ein äußerst seltenes Notiv ist. Nun das Ergebnis meiner Recherchen:

Notiv Nr. 1: Eifersucht

Das ist ein toller Beweggrund für einen Mord, weil ihn auch jeder für sich gut nachvollziehen kann. Sie bietet sich im Falle Caesar Beyer aufgrund der Verwicklungen Sandra – Boris – Caesar an. Andererseits wäre es doch sehr verwunderlich, wenn Boris auf Caesar eifersüchtig ist. So oft kommt das doch nicht vor, dass Liebhaber extrem eifersüchtig auf die emotional abgeschobenen Ehegatten sind. Es wäre auch derart offensichtlich, dass meine ungewogenen Leser überhaupt nicht mehr überrascht wären. Und plötzliche Überraschungen sind das A und O einer jeden guten Geschichte, sonst kann sie jeder verfassen. Streichen wir die Eifersucht also im Falle C.B. (kurz für Caesar Beyer). Auch Habgier (Notiv Nr. 2) könnten wir aus einem ähnlichen Grund („zu offensichtlich“) streichen, da die Juwelen aus C.B.s Besitz verschwunden sind. Allerdings lässt sich auch ein Kombinations-Notiv erstellen, denn an anderer Stelle habe ich gelesen, dass es selten ein Mordnotiv allein gibt. „Eine Statistik über die häufigsten Mordmotive [sic] könne allerdings kaum angelegt werden. ‚Es handelt sich oftmals um eine Mischung von Gründen, deshalb muss immer der Gesamtzusammenhang beachtet werden‘, so Gallwitz [Psychologie-Experte]“, abgerufen von http://www.focus.de/wissen/mensch/tid-9066/kriminologie_aid_263042.html am 11.9.17. Der Juwelenraub ist eindeutig keine falsche Spur des Täters, sondern echte Habgier.

Bei Familie Mustermann könnte Eifersucht ein guter Grund sein. Zu klären ist nur noch, wer hier eifersüchtig ist und auf wen. Eifersucht ist eine starke emotionale Triebfeder und könnte daher auch das Berserkerhafte am Familienmord erklären. Eifersucht auf ihr hübsches Häuschen, Eifersucht auf die (scheinbar) glückliche Familie, Eifersucht, weil es Frau Mustermann über die Jahre gelungen war, eine lückenlose Sammlung einer bestimmten Sorte von Strickheften zu erstellen… nein, das ist albern. Und Albernheit ist hier wirklich nicht angebracht. Vielleicht hat Frau Mustermann auch einen Verehrer, der noch nicht aufgetaucht ist, der aber rast und tobt vor Eifersucht, weil Frau Mustermann ihrem Mann treu verbunden ist. Hier liegen Möglichkeiten. Auch ein Mitschüler der Tochter Stefanie könnte Amok gelaufen sein. Es war dann Zufall, dass er gerade am Hause Mustermann vorbeikam, als der Amokwunsch von einem Wunsch zu einer Tat wurde. Amoklaufen ist ja unter Schülern recht modern geworden. Und es macht die Geschichte prickelnder und überraschender, wenn es vorrangig um Stefanie und nicht einen der Erwachsenen geht.

Besonders gut wäre natürlich Eifersucht im Falle des Versicherungsbetrugs, denn darauf kommt niemand. Leider ich selbst auch nicht, oder es würde so eine Geschichte, in der x Tatverdächtige zur Debatte stehen und fünf Minuten vor Schluss ein völliger Unbekannter hervorgezaubert wird. Das ist eine Notlösung mit N, die ich überhaupt nicht unterstütze.