Krimi To Go – N (3/4)

Notiv Nr. 3: verletzte Eitelkeit

Verletzte Eitelkeit ist sicher etwas Übles. Ein verletztes Selbstwertgefühl ist etwas Anderes und ich finde es viel nachvollziehbarer. Wenn Manfred Kleinhaus beispielsweise seine Frau immer gedemütigt hat und dann noch von ihr verlangt, dass sie seinen Betrug deckt und ihm die Summe übergibt, die er von der Versicherung einheimsen möchte, da kann ich mir vorstellen, dass sie ihm in Rage mit der Pfanne auf den Hinterkopf schlägt, als er am Schuppen steht, um das Geld quasi in bar abzuheben. Aber verletzte Eitelkeit? Wenn Frau Kleinhaus sich gerne im Spiegel bewundert und es bedauert, dass ihre Ehe zu einer asexuellen Freundschaft mutiert ist, könnte sie sich in Schale werfen und unwiderstehlich finden. Dann aber ist Manfred mal wieder müde, oder hat Kopfschmerzen, also einfach keine Lust: Das trifft die eitle Frau im Innern ihrer Seele.

Bei Caesar Beyer kann ich das nicht einfügen.

Familie Mustermann könnte für wahr das Opfer einer verletzten-Eitelkeits-Kampagne werden. Ein junger Schnösel, der glaubte, Stefanie mit seinem schicken Auto zu beeindrucken, von ihr abgewiesen und von der ganzen Familie am Gartenzaun lächerlich gemacht wurde, der rast mit verbissenem Ausdruck im Gesicht nach Hause und denkt sich, dass er noch den Zeitpunkt finden wird, wo er es allen beweisen wird, was er alleine auf die Beine stellen kann.

Sollte ich je zur Mörderin werden, so wird es wohl kaum aus verletzter Eitelkeit heraus geschehen, weil ich es mir so schlecht vorstellen kann, dass dies mich zu einer solchen Tat notiviert. Oder liegt es gerade deshalb nahe?