Krimi To Go – N (4/4)

Notiv Nr. 4: Rache

Gibt es wirklich Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass man sich für etwas rächen möchte? So viel Weisheit bekommt der Mensch vielleicht mit wachsendem Alter, aber sonst scheint mir das Rachenotiv doch recht nachvollziehbar. Und gerade für die Rache bieten sich die schlimmsten Taten förmlich an. Ich hätte erwartet, dass die Rache an erster Stelle der Notive stehen würde, tut sie jedoch nicht.

Bei Caesar Beyers Ableben kann sich die Ehefrau für die Demütigungen nach vielen Jahren Ehe gerächt haben, wobei verletzte Eitelkeit und Eifersucht durchaus denkbar Komponenten sind. Dass sie die Juwelen gerne einsteckt – wer mag es ihr verdenken? Auch Boris könnte sich dafür rächen, dass Caesar ihn vor den Augen seiner angebeteten Sandra zum Gespött gemacht hat. Da er ein zwielichter Charakter ist, steckt er die wertvollen Steine gerne ein. Oder eine bisher unbekannte Person, die dennoch recht früh in die Geschichte eingebaut wird (nur weil sie hier noch nicht aufgetaucht ist, heißt das nicht, dass sie erst später auftaucht), rächt sich für irgendwas. Das aufzubauen, wird einfach, weil Rache so vielseitig ist und der Mensch sich für so viele Dinge rächen kann, von Kleinigkeiten (instabiler Charakter) bis hin zu wirklich tiefen Beweggründen.

Familie Mustermann könnte auch das Opfer von Rache geworden sein. Zum Beispiel hat Herr Mustermann an der Arbeitsstelle einen Mitarbeiter aus führender Position verdrängt. Das war von Herrn M. gar nicht so geplant, aber das hat der vertriebene Mitarbeiter Hartwig K. nie so gesehen. „Es kommt wirklich von der Chefetage“, hat Mustermann seinem Kollegen Hartwig mehrmals erläutert, wobei er ihn freundlich an der Schulter gefasst hat. Oder Hartwig wurde bei den Beförderungen übergangen, während Herr M. gleich zwei Stufen übersprungen hat. Hartwig zischte bösartig, „dieser aufgeblasene Nichtsnutz, weiß nichts, kann nichts, ich habe viel mehr Erfahrung als er, ich habe schon in der IT-Branche Wunder bewirkt, als dieser kleine Hosenscheißer noch in die Hose geschissen hat.“ Wobei das wohl von Herrn K. leicht übertrieben ist, so groß ist der Altersunterschied nicht. Hartwig K. war auf jeden Fall überzeugt, dass ihm der Posten des Abteilungsleiters IT zusteht und sich Herr Mustermann diese Stelle nur ergaunert hat. Eine Zeitlang hat Hartwig sogar versucht, das Gerücht in Umlauf zu bringen, dass Herr M. ein Verhältnis mit der Chefsekretärin hatte, um sich auf diese Weise den Posten zu verschaffen. Naja, das hat sowieso nie jemand geglaubt.

Im Falle des Versicherungsbetrugs könnte Habgier-Rache eine Rolle spielen. So hatte Manfred einen Mitwisser und Mithelfer, dem er ein Drittel der Summe versprochen hatte. Nun bekam dieser Mithelfer aber die Info, dass sich Manfred an einem Tag nach Brasilien absetzen würden, der drei Wochen vor dem ihm bekannten Datum lag. Da hat er Rache für etwas genommen, was noch gar nicht stattgefunden hatte und auch nie stattgefunden hätte. Denn bei aller Versicherungsunredlichkeit war Manfred doch immer ein korrekter Mensch. Vielleich war sogar seine Ehefrau die Mitwisserin?