Krimi to go – P (1/3)

P wie Psychologie oder modern: Profiler

Forensiker und Profiler gehören in jeden modernen Krimi. Deshalb werden sie auch in diesen drei möglichen Geschichten irgendwo einen Platz finden. Der geneigte Leser und auch die ungeneigte Leserin werden mittlerweile wissen, dass ich es nicht so mit der Fleischbeschau und ähnlich blutrünstigen Dingen im Detail habe. Eine Vor-Leserin meinte zwar, bei mir käme ziemlich viel Blut vor, doch das ist etwas Anderes. Ich mag keine „Gory Details“, andererseits finde ich einen Krimi ohne Leiche öde und ganz blutleere Leichen erinnern mich dann eher an Laiche, und das ist auch nicht so recht appetitlich. Also irgendwann in diesen Krimis kommen diverse Forensiker zu Wort, auch Profiler geben ihren passenden Kommentar dazu. Ich möchte nicht komplett am Zahn der Zeit vorbeimahlen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich meine literarische Qualität nicht an einer Agatha Christie messen möchte, halte ich eine gewisse Zeitnähe für gut. Daher das Blut, das aber eher einen Comic-Platz einnimmt. Wobei ich dann eine Anekdote aus meinem Leben beisteuern möchte, um das zu verdeutlichen: Wir hatten einmal einen Auftrag, ein Buch über Wundheilung aus dem Deutschen ins Englisch zu übersetzen. Da geht es auch um die verschiedenen Wundarten und wenn ich in dem Zusammenhang das Wort „Pfahl“ höre, kriege ich schon Schwabbelknie. Der Kollege diktierte also munter vor sich hin, alle realistischen Abbildungen hatte ich mit gelben Post-It-Zettelchen abgeklebt. Nun ging’s ans Schreiben, also mein Bereich. Die ersten Minuten waren einfach grässlich, bis ich die Lösung fand: Während ich tippte, „übersetzte“ ich im illustrativen Bereich des Gehirns die Bildsprache in einen Comic. Wenn Pluto, der orangefarbene Hund, auf einen Pfahl aufschlägt, der ihn durchstößt, so macht das nicht wirklich etwas, Pluto leckt kurz seine Wunde und ist bald wieder der Alte. Es muss auch nicht zwangsläufig so ein comicartiges Happy End sein. Alleine die Umsetzung in Zeichentrick mit knorrigen, lustigen Figuren reicht. Soweit zu meiner Psychologie.

Die Psychologie ist meiner Ansicht nach in Krimis wirklich wichtig. Das ist doch immer die allesumfassende Frage: Warum hat XYZ den Dorfpriester ermordet? Was steckt dahinter? Welches Motiv? Vielleicht auch die Frage – wie ist der Täter zu dem geworden, was ihn schließlich zum Mörder machte? Eine grausame Tante, Missbrauch durch den besten Freund der Familie, Drogenabhängigkeit aufgrund von Liebessucht, eine Zeit im (Jugend-)Gefängnis und was es da alles noch so gibt.

Da ich noch nie eine Freundin der Gliederung und Strukturierung im Voraus war, sondern immer schon während meiner Arbeit / meines Schreibens strukturiert habe, könnte es schwierig werden: Dann bin ich mitten im Krimi, da fällt mir ein guter psychologischer Haken für den späteren Täter ein, der muss dann aber psychologisch von irgendwo her erklärt werden. Geht das im Krimi to go? Das käme natürlich auf einen Versuch an. Ich könnte auch auf meine Intuition oder mein Unterbewusstsein vertrauen und davon ausgehen, dass es am Ende schon mehr oder weniger passen wird.

Wichtig ist, dass der Text spätestens ab Mitte des Werks mehr oder weniger verborgene Hinweise auf die Psychologie hinter der Tat gibt. Es spricht auch nichts dagegen, falsche Fährten zu legen. Verpassen wir der Familie Mustermann eine Hausangestellte namens Elsie, so hat diese einen Freund. So ein neidzerfressener Tunichtgut, der viele Jahre seines Lebens erst in einer Pflegefamilie, dann im Jugendgefängnis verbracht und schließlich nach einem Bankeinbruch im Gefängnis gesessen hat. Nachdem er Elsie kennenlernte, hat sich sein Wesen deutlich abgemildert. Aber wir beobachten auch, wie er manchmal ausrastet, wenn ihm Unrecht geschieht. Es reicht vermeintliches Unrecht. So hat er einmal fast das Auto eines Freundes zertrümmert, weil dieser Elsie schöne Augen gemacht hat. Elsie konnte ihren Freund Ferdo gerade noch zurückhalten. Nun hat die arrogante Frau Mustermann Elsie fristlos entlassen, weil diese zum dritten Mal die Glasfiguren nach dem sorgfältigen Reinigen mit einem feuchten Tuch in der falschen Reihenfolge in die Vitrine gestellt hat. Ferdo, der – mehr oder weniger freiwillig – von Elsie ausgehalten wird, bringt das total in Rage, eine solche überkandidelte Pingelei!