Krimi to Go – P (2/3)

Im Fall Caesar Beyer – und es möge mich bitte niemand fragen, warum ich den ersten Fall an zweiter Stelle bringen, das erfordert eine psychologische Analyse eigener Art – wird Kirstins eifersüchtiger Charakter ausgeleuchtet. Als leicht verhätscheltes Einzelkind kann sie nicht teilen. Schon beim Essen achtet sie immer peinlich darauf, dass sie vom besten Stück den größten Teil erhält. Wenn wir sie beobachten, wie ihre Kinder auf den Vater zustürzen, wenn er von der Arbeit heimkommt, sehen wir, wie sie zwar lächelt, sich aber auch ein Schatten auf ihr Gesicht legt. Am nächsten Tag wird sie ihren Kindern auf subtile Weise vermitteln (wollen), dass der Vater sie nicht so sehr liebt wie sie selbst es tut. Und dann tritt Sandra in das Eheleben ein, das eh nicht mehr zum Besten ist, aber von beiden Ehepartnern zum Schein aufrechterhalten wird, „für die Kinder!“, auch wenn diese schon fast erwachsen sind. Die zehnjährige Naomi würde eine Scheidung mit Sicherheit verkraften, Kirsten hält sie für empfindsamer als Naomi wirklich ist. Schon seit Jahren von Eifersucht gequält, kontrolliert Kirsten regelmäßig Caesars Anzugstaschen, hat sich schon häufig auf seinem Tablet und seinem PC eingeloggt. Besonders misstrauisch machte sie natürlich, als Caesar drei Jahre zuvor einen Passwortschutz auf beide Geräte gelegt hatte. Kirstin bezog das direkt auf sich und tobte innerlich. Dabei ging es Caesar nur darum, dass er seine Geschäftsunterlagen und Kontobewegungen nicht „veröffentlicht“ wissen möchte, falls er ein Gerät liegen lässt. Nun konnte ihn Kirstin schlecht fragen, warum er denn einen Passwortschutz eingeführt hat, dann hätte er gewusst, dass sie regelmäßig seine – damals noch völlig unschuldige – Korrespondenz mitliest. Und so hat Kirstin nichts gesagt, nur den Mund zugekniffen und sich ihren Teil gedacht. Sie ist der Sandra-Sache anders auf der Spur gekommen, denkt der Leser oder soll er es zumindest denken, und bei solch eifersüchtiger Charakterveranlagung liegt ein grausamer Mord ja recht nahe, da reicht Erschießen nicht, die persönliche Kränkung muss sich zusätzlich in Dolchstiche ergießen.