Krimi to Go – Q (1/3)

Q wie Qualen, Quäker und Quasimodo

Qualen und Quälen fallen bei mir unter den Tisch. Das heißt, keine Folter, keine Vergewaltigung. Ich habe in einem viel zu frühen Alter „Die Strafkolonie“ von Franz Kafka gelesen, weil ich eine Leseratte war und mich quer durch den Bücherschrank meiner Eltern gearbeitet habe. Der Goethesche Faust fiel auch in diese Zeit, das Werk hat mich gelangweilt zurückgelassen. An viele Bücher erinnere ich mich gar nicht mehr. Aber die Strafkolonie war einfach furchtbar, ich habe sie wörtlich verstanden und genommen und nicht als Metapher. Selbst als Metapher könnte es meiner Meinung nach weniger grausam ausfallen. Entweder hat das Buch bei mir den Widerwillen gegen Beschreibungen von Folter und Körperqualen ausgelöst („getriggert“, ha!) oder meine Reaktion war ein erstes deutliches Zeichen: Das ist nix für dich. Der Film „Clockwork Orange“, den ich so etwa im Alter von zwanzig Jahren gesehen habe, hat mich ebenso viele Jahre verfolgt. Nicht so sehr das Thema des Films, sondern die Darstellung der Vergewaltigung zu Beginn, die mehr oder weniger nur den Rest des Films plausibel machen sollte.

Daher: Keine wirklichen Qualen in meinen zahlreichen Krimis, Thriller und Dramen. Nur so ein bisschen Bedrohung. Oder ein Gemetzel, das nie im Detail beschrieben wird oder gar Hinweise auf lange, quälende Stunden oder ähnliches gibt. Familie Mustermann wurde zum großen Teil im Schlaf erwischt. Und es ging schnell, wenn auch mit viel Blut. Das muss sein. Ein bisschen Psychokitzel darf natürlich sein, denn das erhöht die Spannung (was Beides zu anderen Buchstaben gehört), also eine zarte Frau in Gefahr, die immer rechtzeitig vom tapferen modernen Ritter befreit wird und auch kein echtes Trauma mit in ihr weiteres Leben schleppt.