Krimi to Go – Q (3/3)

Quasimodo möchte ich lieber im übertragenen Sinne verstanden wissen als eine Gestalt am Rand der Gesellschaft. Und die tragische Note, dass Esmeralda im literarischen Original stirbt, vergesse ich gleich. Eine Esmeralda wird als positive Figur gar nicht erst auftreten.

Eine Quasimodo-Gestalt passt noch gut zum Caesar-Beyer-Strang. Ein geistig leicht behinderter Parkwärter, Elias Schrempel, mit dem Sandra hin und wieder freundlich ein paar Worte wechselt. Elias ist ein wenig füllig, dennoch schlottern ihm Hose und Hemd um die Figur. Seine braunen Haare sind leicht mit Grau durchsetzt, nicht ungewöhnlich für einen vierundfünfzigjährigen Mann. Er bekommt immer die ganz einfachen Arbeiten zugeteilt, zum Glück machen sich die Kollegen nicht über ihn lustig, wie so etwas manchmal in Gruppen zu beobachten ist. Während er Laub zusammenkehrt oder liebevoll kleine Pflanzen in die Erde setzt, erzählt er den Vorübergehenden gern seine Lebensgeschichte. Dass seine Lebensgefährtin nun nicht mehr bei ihm ist, dass seine Mutti nun im Pflegeheim weilt und dass er Bananen besonders mag. Sandra sitzt auch gelegentlich auf einer Parkbank und liest (vermutlich billige Liebesromane) und Elias witzelt immer darüber, dass sie schon wieder liest. „Fernsehen ist viel einfacher!“, betont er gerne. Oder er begrüßt sie: „Da sind Sie ja wieder, wo ist denn Ihr Buch?“ Ganz natürlich gerät er in den Kreis der Verdächtigen, weil er Sandra sehr verehrt. Vielleicht ist er geistig so verwirrt, mutmaßt ein Kriminalkommissar, dass er sich Hoffnungen auf Sandra macht und den Ehemann, den er zwei- oder dreimal gesehen hat, beseitigen möchte? Elias ist Verhören hilflos ausgeliefert. Falls Sandra mit in den Mord verwickelt ist, wird sie diese Chance nutzen und versuchen, ihn noch verdächtiger aussehen zu lassen. Er sitzt auch kurz in Untersuchungshaft, bis sich durch einen Zufall herausstellt, dass er doch ein Alibi hat, weil eine französische Schüleraustauschgruppe ihn gerade zur Tatzeit in seinem Lieblingsbistro getroffen hat, wo er nach Arbeitsende gerne noch eine Currywurst verzehrt. Es dauert natürlich eine Weile, bis seine Unschuld aufgedeckt wird. Immerhin hat der Kommissar so viel Anstand, sich bei Elias für den falschen Verdacht zu entschuldigen. Elias witzelt nur darüber, „endlich mal Essen und Unterbringung umsonst!“ und plaudert auch weiter munter mit Sandra, die nun beginnt, den Park zu meiden. Es sollte ihr auch wirklich peinlich sein.