Krimi to Go – R (1/2)

R wie Raub, Raubmord und Raben

Fange ich einmal mit den Raben an, die äußerst intelligente und faszinierende Vögel sind. Dann gibt es da noch das fesselnde Gedicht von Edgar Allen Poe „The Raven“ und gerne würde ich es im englischen Original oder in deutscher Fassung einbauen. Da viele Filme und auch Pop-Songs dieses Gedicht als Basis genommen haben, stünde es mir doch auch frei. Da gibt es zum Beispiel die letzte Strophe, die ich der ersten vorziehen würde, denn den Anfang kennt quasi jeder.

And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
And his eyes have all the seeming of a demon’s that is dreaming,
And the lamp-light o’er him streaming throws his shadow on the floor;
And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
Shall be lifted – nevermore!

Deutsche Übersetzung in der Fassung von Rombauer:

Und der Rabe rührt sich nimmer, sitzt noch immer, sitzt noch immer,
Auf der bleichen Pallasbüste, schau’nd vor meiner Thür hervor,
In dem Aug’ des Bösen Tücke, starres Träumen in dem Blicke.
Von der Lampe Licht umflossen legt der Schatten sich auf’s Thor,
Auch auf meiner Seele liegen Schatten dicht, wie nie zuvor,
Nie mehr hebend sich empor.

Die deutsche Übersetzung ist schon nicht schlecht und wie man von der Rechtschreibung erkennt, auch nicht aus ganz moderner Zeit. Falls es moderne Fassungen gibt, so werden sie nicht frei erhältlich sein, da auf geistiger Arbeit in Form von Literatur und deren Übersetzungen mehrere Jahrzehnte Copyright liegen. Mir fiel sofort auf, dass der Sinn nur sehr grob getroffen ist. In den letzten beiden Zeilen ist es im Original die Seele, die nie wieder emporkommen wird, in der deutschen Fassung sind es die Schatten. Andere Übersetzungen sind korrekter, aber sie gefallen mir sprachlich nicht so recht.

Meine Seele freudenleer,
Wird aus diesem dunklen Schatten, der da zittert hin und her,
Sich erheben – nimmermehr!

(Dr. Ernst Schmidt)

Das gefiel mir dann auch noch ganz gut, obwohl die schwer liegenden Schatten ein ganz anderes düsteres Bild hervorrufen als hin- und herzitternde Schatten. Aber die Seelenerhebung ist korrekt.

Die düstere und trostlose Stimmung dieses Gedichts passt zu einem Krimi hervorragend, gerne würde ich es daher zum Lieblingsgedicht eines der Protagonisten machen. Dafür ist es insgesamt ein wenig zu lang und würde dann aussehen wie Seiten schinden. Die letzten Zeilen… ja, die könnten wir zum Beispiel auf einem Stück Papier in der Brieftasche von Caesar Beyer finden. Auch die Mustermann-Tochter in pubertärer Begeisterung für das Düstere könnte ein großes Plakat in ihrem Zimmer hängen haben, auf dem dieses Gedicht steht, die letzten beiden Zeilen mit frischem Blut unterstrichen. Huch, wie gruselig… Ähnlich lässt sich das auch bei Manfred gestalten, oder in der Versicherung, in der Caesar als Detektiv arbeitet, findet ein fröhlicher Abend statt, wo Einzelne vortragen, was ihnen gefällt. Viele dumme und plumpe Witze sind zu hören, manche führen zu zweit einen kleinen heiteren Dialog auf und Caesars Chefin, Sarah Kleinschmidt-Caetano, will erst gar nicht mitmachen, wird aber solange von den anderen gedrängt, bis sie aufsteht und mit klarer Stimme das Poe’sche Gedicht deklamiert. Die letzten Zeilen spricht sie nur noch ganz leise und schaut zu Boden, die Zuschauer sind nicht sicher, ob sie feuchte Augen hat oder nicht. Die Stimmung ist betreten, keiner sagt etwas, bis einer der „Firmenclowns“ schließlich aufspringt und zu einer Polonaise aufruft. Dazu lässt er eine furchtbar schmachtend-laute Melodie gesungen von Tony Marshall erklingen, was schließlich den Spuk beendet. Caesar Dubczik tippt eine Notiz in sein Smartphone.