Krimi to Go – S (1/2)

S wie Spuren im Sand

Spuren sind das A und O jeden Krimis, auch in der realen Polizeiarbeit sind sie immens wichtig, was ich einmal behaupte, ohne je mit einem Polizeibeamten über dieses Thema gesprochen zu haben. Leider habe ich im Bekannten- und Freundeskreis keine Polizisten. Zwar gibt es zwei Polizisten in der Nachbarschaft, einer soll sogar Leiter einer Mordkommission sein, da traue ich mich echt nicht, das Gespräch auf solche Dinge zu bringen, solange ich nicht eine berühmte Autorin bin. Es könnte also sein, dass ein solches Gespräch nie zustande kommt.

Schon die Indianer im Wilden Westen waren ausgezeichnete Spurenleser, wie mir als erster Karl May überzeugend vermittelte. Auch Förster können im Wald besser die Spuren lesen als unsereins (es sei denn, ein Förster zählt zu meiner Leserschaft). Spuren im Sand haben den Nachteil, dass sie vom Wind sehr leicht verweht werden, der Regen weicht sie auf, im Gras werden sie zertreten. Sie sind also häufig nur zeitweilig verfügbar. Wir alle kennen den Satz aus den Krimis (wenn wir überhaupt Krimis lesen oder ansehen): „Es hat geregnet, sämtliche Spuren sind verwischt!“. Genauso gut weiß ich aus alten Indianergeschichten, dass ich meine Spuren so verwischen muss, dass Hunde bei der Verfolgung meine Fährte verlieren, indem ich einfach durch den nächstgelegenen Fluss wate. Am gegenüberliegenden Ufer kann kein Hund die Spur aufnehmen, es sei denn, ich bin so töricht, und lasse Kleiderfetzen an scharfen Ästen zurück oder bin verletzt und tröpfle Blut. Wobei ich das dann wirklich lieber meinen Krimifiguren überlasse. Womit wir beim eigentlichen Thema sind. Als letztes sei noch erwähnt, dass heute natürlich DNA-Spuren alles erhellen, womit die Täter nicht rechnen.

Im Fall Caesar Beyer hatte ich sehr gut die Spurenverfolgung erschwert, denn er lag in einer Pfütze, es hatte stark geregnet. Dennoch gibt es Spuren: die fehlenden Juwelen, ein Zettel in der Brieftasche, der Dolch, die Schusswunde und somit Projektil usw. Gerade so ein Dolch ist eine wunderbare Spur, denn Dolche sind in unserem Land nicht etwas, das in jedem Küchenregal oder auf jedem Bürotisch liegt. Ein Brieföffner oder ein Tranchiermesser wären da üblichere Mordmittel. Der Dolch macht es spannend für die Aufklärer und die Leser (hoffe ich). Ist es ein Dolch aus Malaysia? Irgendwie sind Dolche bei mir unweigerlich mit Malaysia verknüpft, was aus einer alten Lektüre stammen muss, die ich mir gerade nicht mehr ins Gedächtnis rufen kann. Das ist natürlich eine sehr gute Chance, dem Ganzen ein wenig exotisches Flair zu verleihen. Ein kurzer Blick in die verbreitetste Suchmaschine der Welt: Die Malaysische Mafia ist in Drogengeschäfte verwickelt und auch die Spuren (!) der Wettmafia führen nach Malaysia. Beide können Juwelen sicher gut gebrauchen. Ich denke, keine Mafia würde bei Juwelen laut „Nein!“ schreien. Ist denn Caesar Beyer vielleicht in Drogengeschäfte verwickelt? Ist er ein Opfer auch dieser Mafia? Oder hat einer der anderen Personen Kontakte zur malaysischen Mafia? Beleuchte ich Boris‘ Familie, so taucht dort eine Schwägerin auf, ihr Name ist Nurul und somit eindeutig malaysisch. Boris‘ Bruder Frank ist vor einigen Jahren gestorben (eines eindeutig natürlichen Todes, oder)?

Zum Dolch noch ein Verweis auf Wikipedia (5.10.17): „Im Gegensatz zum Messer, das primär zum Schneiden ausgelegt ist, ist der Dolch als Stichwaffe konzipiert.“ Und weiter „Da ein Dolch […] verdeckt getragen werden kann, galt er zeitweise als wenig ritterliche (Mord-)Waffe, wie es z. B. in der Wortschöpfung von der Dolchstoßlegende zum Ausdruck kommt.“ Verborgen getragen erweckt Assoziationen von Dunkelheit, Umhängen, Heimlichkeit und passt somit hervorragend. Vielleicht hat Boris den Dolch auch heimlich mitgehen lassen, als er Nurul besuchte. Boris hat die zarte, hübsche Frau immer bewundert und nach einer gewissen Anstandszeit nach Franks Tod auch mehr oder weniger intensiv um sie geworben, nun, seinem Naturell entsprechend hat er sie eher „angebaggert“. Sie ist nie darauf eingegangen. Dann hat er Sandra kennengelernt, hin und wieder besucht er Nurul, einfach um zu schauen, wie es ihr geht. Nuruls Ehe blieb kinderlos und sie arbeitet in einem Kindergarten. Den Dolch hat Boris heimlich eingesteckt, als er sie vor drei Wochen zum letzten Mal besuchte (drei Wochen vor dem Mord). Dadurch macht er sich zum Hauptverdächtigen.