Krimi to Go – S (2/2)

Im Falle der ermordeten Familie Mustermann gibt es wunderbar-gruselige Spuren: Schuhabdrücke aus Blut, DNA irgendwo, die sich keinem Familienmitglied zuordnen lässt. Es steht noch nicht fest, wie die Familie ermordet wurde. Da es so voller Blut ist, sind Schusswaffen unwahrscheinlich. Andererseits musste der Täter / die Täterin schnell vorgehen, damit die anderen Familienmitglieder oder auch Nachbarn nicht alarmiert wurden. Da dem Postboten quasi das Blut in den Adern gefriert, als er beim Betreten des Grundstücks um die Ecke geht, muss es schon ein recht scheußlicher Anblick gewesen sein. Schrotflinte? Ich meine mich zu erinnern, dass sie ziemlich fetzt, aber auch recht laut ist. Wenn wir von einem wahnsinnigen Täter oder von einem, der vorgibt, wie ein Wahnsinniger zu handeln, ausgehen, hat er die beiden Kinder – falls sie doch zu Hause waren – mit Schalldämpfer auf der Pistole, zusätzlich durch ein mit Betäubungsmittel getränktes Kissen, erschossen. Herrn Mustermann hat er in der Badewanne angeschossen und dann nochmals gezielt – da haben wir viel Blut im Wasser. Und Frau Mustermann… nun das möchte ich lieber nicht ausführen. Die Arme war die Letzte und war Opfer eines Blutrauschs. Aus Rücksicht auf die Nerven meiner meisten Leser wird sich herausstellen, dass sie schnell starb und der Täter dann – eben wie im Rausch – noch mehrmals auf sie einstach.

Puh, das ist alles hart. Die Tatwaffe findet die Polizei achtlos hinweggeworfen im Treppenhaus. Am Geländer im Haus ist eine defekte Stelle (der Handwerker war schon für die Reparatur bestellt), wo ein Holzsplitter hervorsteht, der unbemerkt ein oder zwei Fädchen aus der Kleidung des Täters herausgetrennt hat. Welch‘ wunderbare Spur, die uns direkt zu einem schwarzroten Flanellhemd führt. Es ist noch unklar, ob dieses Flanellhemd wirklich eine brauchbare Spur ergibt, denn diese Hemden gab es in jenem Winter (vor dem Herbst, in dem sich die Tat ereignete) in mehreren Kaufhausketten im Sonderangebot. Immerhin können wir Spezialisten beschreiben, die übers Mikroskop gebeugt die Fäden untersuchen.

Manfred legt für seinen Versicherungsbetrug viele falsche Spuren, er will die Umwelt glauben machen, er sei gestorben. Er hat ein halbes Jahr auf den Tag X hingearbeitet und für Caesar und Nadine ist es wirklich ein Stück meisterlicher detaillierter Detektivarbeit, die echten von den falschen Spuren zu trennen. Sie machen das so hervorragend, dass es am Ende niemanden wundert, dass sie für immer zusammenbleiben möchten. Als richtig fette Spur dient natürlich das Radarfoto. Caesar arbeitet als Versicherungsdetektiv häufig mit der Polizei zusammen und erhält so die Möglichkeit, mehr über das Auto zu erfahren, das auf dem Bild nur schwer zu erkennen ist, auch wenn das Nummernschild hell erleuchtet ist. Wen wundert es weiter, dass diese Nummer zweimal existiert? Diese Spuren gilt es sorgsam auszuleuchten. Dann sind da natürlich noch die Spuren des Mords an Manfred. Am besten wird er irgendwann in einem Auto aus einem einsamen See in der Nähe von Nürnberg gezogen (bevor ich mich auf Nürnberg festlege, muss ich einmal schauen, ob es dort überhaupt Seen gibt, die tief genug sind, um ein Auto länger zu verschlucken, sonst wird einfach die Stadt geändert). Die Gerichtsmediziner stellen fest, dass er wie häufig üblich vor dem Ertränken bereits tot war. Ein Schlag auf den Hinterkopf setzte seinem Leben ein Ende. Das Auto war mit betongefüllten Fässern beschwert, das ergibt zahlreiche brauchbare Spuren. Gefunden wurde es nur, weil der See saniert, trockengeleert und dann wieder gefüllt werden sollte, was dem Täter bzw. der Tätergruppe offensichtlich nicht bekannt war. Im Auto finden sich einige Spuren, wie ein benutzter Lippenstift im Handschuhfach. Ein Prepaid-Handy liegt ebenfalls im Handschuhfach und es muss nun untersucht werden, ob noch lesbare Daten zu finden sind. Immerhin lag der Wagen mehr als zwei Monate tief im Wasser und die Unterwasserpflanzen und Algen hatten bereits begonnen, das Metallteil zu erkunden und zu besetzen (hier ist noch zu prüfen, wie lange es wirklich dauert, bis sich Algen an einem Wagen festsetzen).

Da die Personalausweise heute fast wasserfest konzipiert sind, lässt sich auf den mitgeführten Papieren, die die Täter ihm nicht weggenommen haben, noch der falsche Name entziffern, dessen Spur zu einem Flug nach Brasilien führt. Johannes Schmitz, ein guter Name, wie Manfred einmal fand. Anhand des falschen Namens lassen sich auch diverse Konten entdecken, auf die Manfred nicht nur das Geld aus seiner Lebensversicherung eingezahlt hatte. Offenbar, so stellt sich heraus, hat er auch größere Summen aus einer Erbschaft unterschlagen, die er hätte aufteilen sollen. Ein Mann, von dem alle Nachbarn dachten, er sei ein Vorbild für jedermann, hat sogar über mehrere Jahre an seinem Befreiungsschlag gearbeitet – wie er es selbst sah.