Krimi to Go – T (3/3)

Testamentseröffnungen sind Fundgruben für jeden guten oder auch schlechten Krimi. Überraschung auf den Gesichtern derjenigen breit, die leer ausgegangen sind und dies nicht erwartet hatten. Oder auch selbstzufriedenes verhohlenes Lächeln bei demjenigen, der zwecks Erbe einen Mord geplant hatte. Caesar Beyer hat ein Testament gemacht, in dem er Sandra fast nichts vererbt, die dementsprechend erbleicht und kocht vor Wut, vor allem falls sie in den Mord verstrickt sein sollte. Oder Caesar Beyer hat ein neues Testament verfasst, das naturgemäß noch nicht unterschrieben ist, in dem er seinen ganzen Besitz abgesehen vom Pflichtteil Amnesty International oder einer Organisation zur Rehabilitation von Drogensüchtigen vermacht. Obwohl das ein wenig kitschig wäre. Oder er hinterlässt doch den Großteil seiner Ex-Frau Kirsten. Wenn sie das vorher gewusst hätte – so käme sie auch sehr gut in den Kreis der Verdächtigen.

Bei Mustermanns spielt ein Testament gar keine Rolle, bis vielleicht auf die Tatsache, dass die Großmutter sich weinend die Augen mit einem Taschentuch abwischt (falls Stefanie bei ihr war zur Tatzeit), dass sie doch ihrem Sohn immer nahegelegt hat, er möge ein Testament machen, damit im Falle des Todes beider Eltern ihr das Sorgerecht inklusive Finanzen übertragen werde. Dass die Großmutter bzw. Mutter ihren Sohn ermordet, um ihn zu beerben, ist eher ungewöhnlich und wäre auch in Betracht zu ziehen.

Manfred Kleinhaus hat natürlich ein Testament gemacht, nein vielmehr: vier oder fünf Testamente werden gefunden. Das beschäftigt die Verwandten und lässt dann nicht so viel Raum für sie, über den Tod von Manfred irgendwelche Spekulationen anzustellen. Oder sein Testament ist verwickelt und kompliziert, weil er darüber so viel Geld wie möglich für sich selbst abzweigen und über unbekannte Kanäle auf seine heimlichen Konten überweisen lassen möchte. Caesar und Nadine haben in einer Szene alle Testamente (je vier bis sechs Seiten) auf dem Boden ausgelegt, studieren sie immer wieder, vergleichen, finden Unterschiede, Übereinstimmungen und entdecken so auch – endlich wieder – einen Hinweis auf den Mörder.