Krimi to Go – U (2/2)

Nun bin ich von der Uhr doch wirklich zu den Ärzten gekommen, ein gewaltiger Umweg, der mir schon fast unheimlich ist. Zum Glück haben wir drei Geschichten, nicht in jede muss ich den sympathischen Arzt mit seiner Rolex platzieren. Am besten mache ich das gleich im Fall Caesar Beyer, der in seiner Rückenschmerznot noch drei Tage vor seinem Tod bei Dr. Stefan Krause einen Termin hatte. Die beiden verstehen sich auch so sehr gut und so vertraute Krause seinem Patienten eine kleine Tüte mit Juwelen an, die dieser mit den übrigen Steinen in Amsterdam verkaufen sollte. Eine neue Wende! Der etwa vierzigjährige Krause handelt hier nicht ganz legal, aber wenn er alles brav versteuert, so meint er, ist er bald seinen Verarmungsängsten komplett ausgeliefert, die ihn immer wieder quälen – trotz guter Absicherung fürs Alter, einer schönen eigenen Immobilie (mit hohem Wiederverkaufswert), einer vermieteten Immobilie, mit deren Verwaltung er geldsparend seine Frau betraut hat. Der Tod seines Patienten trifft ihn also nicht nur aus persönlichen Beweggründen und so betätigt er sich quasi auch ein wenig als Hobbydetektiv. Wir lernen ihn dabei näher kennen. Da sein Familienleben intakt ist – er hat praktischerweise vor zehn Jahren gleich seine Sekretärin geheiratet, statt erst eine Krankenschwester zu wählen, die er dann später doch mit der Sekretärin betrügt -, können wir hier kein Happy End erwarten. Allenfalls die Beilegung einer schweren Ehekrise, zu der es gerade kürzlich gekommen war. So ein Arzt in wenigstens einem Krimi ist gut, weil ich da mein im Beruf erworbenes medizinisches „Teilwissen“ genauso gut einbauen kann wie meine intensive Arzterfahrung in den letzten Jahren. Wobei ich dann allerdings darauf achten werde, dass es kein Arztroman wird! Vielleicht lasse ich Krause in den Augen der Polizei auch in den Kreis der Verdächtigen rutschen, weil er sich für die Beamten in nicht nachvollziehbarer Weise für den ganzen Fall interessiert.

Familie Mustermann lasse ich arztlos. Sonst könnte man denken, ich bin besessen von Arztgeschichten. Als gruseliges Detail könnte ich Blut durch das zerstörte Ziffernblatt in die Armbanduhr von Frau Mustermann fließen lassen, was die Bestimmung des Massakerzeitpunkts auf den frühen Morgen legen lässt. Warum Frau Mustermann schon um fünf Uhr im Garten sitzt, ist eine Frage, deren Beantwortung sowohl von offizieller Seite als auch von Klara-Anna und Caesar als wichtig eingestuft wird. Es ließe sich vermuten, dass der/die Täter vielleicht die Frau auch gezwungen hat, aus der Küche durch die Terrassentür in den Garten zu gehen. Dagegen sprechen die zwei Stapel leichter Zeitungslektüre – ebenfalls blutbesudelt –, die neben ihrem Gartenstuhl liegen. Unappetitlich, ich weiß, das sollte dann auch reichen.

Manfred Kleinhaus war als Lehrer zwar nicht arm, aber auch nicht sehr reich. Daher überraschte es seine Frau Elke schon, als er eines Tages eine Rolex am Arm trug. Sie sprach ihn natürlich darauf an. Zwar hatte sie gewusst, dass seine Armbanduhr nach einem Sturz auf die Fliesen irreparablen Schaden genommen hatte und dass er sich eine neue kaufen wollte, ja musste – wie sollte er sonst den Anfang der nächsten Schulstunde feststellen? Als er dann mit dieser goldenen Uhr nach Hause kam, stutzte Elke und sprach ihn darauf an. „Nur eine billige Imitation“, tröstete er sie. Bei der Hausdurchsuchung wurde dann das Zertifikat für die echte Rolex gefunden, was Elke sehr verwirrte, genauso wie die Tatsache, dass er die Lebensversicherung an ihr vorbei auf andere Konten gelenkt hatte. Gut, ihre Ehe war nicht das, was man ein ewiges Glück nennen würde nach achtzehn Jahren, sie war jedoch auch nicht schlecht gewesen! Fand Elke. Noch verblüffender für Caesar, unseren findigen Versicherungsdetektiv, war, dass er mit einem Blick auf die Fotos erkannte, dass es wirklich ein Imitat war. Die Fälschung war das Zertifikat, nicht die Uhr. War das Manfreds Absicht gewesen, was steckte dahinter, hat es auch etwas mit dem Mord zu tun? Gab es zwei Uhren, zwei Zertifikate?