Eine Seite

Wie fülle ich eine Seite?

Zurzeit teste ich ein Programm mit Namen Papyrus, Version 9, zum Schreiben von Büchern, Artikeln, was es eben alles so Schriftliches gibt. Ich habe mir eine Testversion heruntergeladen, „downgeloaded“ wie es in Denglisch heißt. Sie ist im Großen und Ganzen identisch mit dem Originalprogramm, hat aber nur ein paar Einschränkungen. Eine dieser Einschränkungen ist, dass ich bestimmte Funktionen nur im Umfang einer Seite testen kann.

Jetzt frage ich mich: Wie bekomme ich eine Seite voll? Eine Möglichkeit wäre es, mir eine Seite aus einem bestehenden Dokument zu kopieren. Das hat aber den Nachteil, dass ich dann eine Seite perfekt bearbeiten kann, die anderen aber bleiben, wie sie sind. Wenn ich fleißig wäre, könnte ich Seite für Seite in das Programm laden. Was für eine elende Arbeit! Abgesehen davon, dass ich dann gewisse Dinge, die sich über eine komplette Geschichte erstrecken, nicht austesten kann. Okay, die Rechtschreibung mit Dudenkorrektur kann ich für das ganze Dokument vornehmen, aber wie sieht das mit der Zeitlinie (neudeutsch: Timeline) aus?

Die Zeitlinie ist mir im Moment gar nicht so wichtig. Was ich aber gerne einmal austesten würde, ist die Stilüberprüfung: Füllwörter werden hier markiert, Alternativen vorgeschlagen. Heißa, das klingt hervorragend! Aber genau dies funktioniert nur eine Seite lang. Wenn ich eine Seite aus einem bestehenden Text nehme, ergibt das eine Schieflage. Manches ist vielleicht ein Stilmittel über den ganzen Text, das kann ich dann nicht so recht überschauen.

Eine Möglichkeit wäre es, eine Geschichte zu verfassen, die genau eine Seite lang ist. Ich habe solche Aufgaben früher schon erfüllt: Geschichten mit drei oder zehn Wörtern, die vorgegeben waren. Oder eine Geschichte zu einem bestimmten Thema, die eine bestimmte Zeichenzahl genau erreichen muss oder aber nicht überschreiten darf. Theoretisch wäre das also möglich. Nur fällt mir natürlich heute gar keine Geschichte ein. Nein, heute kann ich nur an zehnbändige historische Romane denken, einen Science-Fiction, der sich über fünf Generationen in einem Raumschiff im Weltall erstreckt, oder eine Biographie meiner Familie von ihren ersten Anfängen im fünfzehnten oder sechzehnten Jahrhundert, vielleicht fängt sie auch noch früher an? Aber all das in eine Seite zu quetschen, ist selbst mit winziger Schrift unerquicklich. Es sei denn, ich nehme die römische Geschichte und einen ihrer Kaiser. Aber da gibt es bereits eine Kurzfassung: Er kam, sah und siegte.

Da ist das nächste Dilemma: Kurze Geschichten sind möglich, pointiert und witzig, hintertrieben und genial. Aber sie füllen dann keine ganze Seite. Sicher wird Papyrus diese ganzen Prüfungen auch an Texten vornehmen, die deutlich kürzer sind als die von mir angestrebte Seite. Dann wäre ich aber „knatschig“, denn ich will so viel austesten wie möglich, auch wenn eine Zeitlinie in diesem kleinen Umfang nicht möglich ist.

Soweit bin ich im Kleinen durchaus schon zufrieden mit dem Programm: Es korrigiert vernünftig, schon während ich tippe. Und so gesehen dürften jetzt nicht mehr allzu viele Rechtschreibfehler im Text sein. Es dauert nur noch wenige Wörter und ich werde es sehen: Habe ich eine Seite stilistisch hinbekommen oder wird gemeckert?

Nachtrag: Es wurde einiges angemeckert, ich habe etliche Füllwörter entfernt!

P.S. Das war genau eine DIN A4-Seite in Arial 12 Punkt.

 

Ritter Seyfried – Sachliches

Ritterrüstungen

Interessiert sich hier wer für Ritterrüstungen? Vermutlich nicht. Habt ihr ein paar Erkenntnisse gewonnen, die euch neu sind? Auch für mich sind Ritterrüstungen ein Gebiet, das mich nicht wirklich lockt. Warum also habe ich diesen Beitrag geschrieben?

Ich habe mich heute Morgen gefragt, wie schnell ich im Internet genug Informationen sammeln kann, um etwas Plausibles über ein Thema zu schreiben, das mir völlig neu ist. Warum mir dazu gerade Ritterrüstungen einfielen, kann ich nicht begründen.

Recherche

Ich habe maximal eine Viertelstunde damit verbracht, mit dem Suchwort „Ritterrüstung“ in Google eine Liste mit entsprechenden Links zu erhalten. Fünf Quellen habe ich schließlich genutzt. Was mich zugleich erstaunte, war, dass die meisten Links zu Online-Shops führen, wo ich Modelle für Rüstungen oder sogar lebensgroße Rüstungen finde, die ich tragen kann. Zu dem hübschen Preis von um die zweitausend Euro. Das muss ein relativ florierendes Geschäft sein. Zwar habe ich von Mittelalterfesten und nachempfunden Ritterturnieren gehört, dass diese aber so zahlreich sind, dass sich gleich mehrere Shops davon „ernähren“ können, finde ich beeindruckend. Das Rittersein ist attraktiv!

Meine Quellen waren:

[1]          Wikipedia, immer erste Anlaufstelle. Wenn Wikipedia als Quelle in wissenschaftlichen Arbeiten auch nicht gern gesehen ist, weil die Ergebnisse nicht nachvollziehbar überprüfbar sind oder gelegentlich vom Ansinnen Einzelner gefärbt sein können, finde ich es als Quelle für rein sachliche Dinge durchaus annehmbar. Zum Thema Rüstung stand hier auch das meiste.

[2]          https://www.planet-wissen.de/geschichte/mittelalter/ritter/pwieruestungundausruestung100.html

[3]          https://www.spektrum.de/news/schwere-ruestung-machte-ritter-muede/1117010

[4]          https://www.uni-bielefeld.de/geschichte/regionalgeschichte/themenneu/1000-1600/ritter_burgen_schloesser/Q02_Die%20Ritterruestung.pdf

[5]          https://www.leben-im-mittelalter.net/gesellschaft-im-mittelalter/die-staendeordnung/der-adel/niederer-adel/ritter/ausruestung/waffen/ritterruestung.html

Immerhin kann ich sogar eine universitäre Quelle dazuzählen! Damit ist für mich die Recherche abgeschlossen, weil ich einen „unterhaltsam-informativen“ Beitrag, kein wissenschaftliches, allumfassendes Pamphlet erstellen wollte.

Als nächsten Schritt habe ich die aufgeführten Quellen gelesen. Allerdings habe ich bei Wikipedia viel gekürzt, schon bevor ich überhaupt gelesen habe, um mir den Kopf nicht mit unnötigem Wissen vollzustopfen. Wozu muss ich wissen, welche Rüstung König Kunibart der Sechsundzwanzigste getragen hat? Nach dem ersten Streichen von Textpassagen verblieben immer noch fünf Seiten Text. Diese galt es nun auf Kernaussagen zu reduzieren, die ich dann in einen von mir formulierten Text einfließen ließ. Daran habe ich etwa eine weitere Stunde gesessen. Während dieser Vorbereitungszeit formten sich auch diverse Geschichten in meinem Kopf, die den Rahmen für Fakten über Ritterrüstungen bieten sollten, und das ein wenig unterhaltsam. Damit habe ich die längste Zeit verbracht.

Ehrenrettung von man, kann und aber (3/3)

Jahrelang habe ich also kann, man und aber vermieden. Mittlerweile bin ich wieder zurückgerudert. Wenn eine Sprache gewisse Wörter enthält, so darf ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie einen sinnvollen Platz haben und etwas Eigenes ausdrücken. Man (ha!) darf sich dann fragen, was wohl damit ausgedrückt werden kann (ha!), aber (ha!) nicht jeder hat die Zeit dazu. Peng, alle drei bösen Wörter in einem Satz!

Wenn Rauchen im Restaurant verboten ist, kann ich einem rauchenden Gast sagen: „Sie dürfen hier nicht rauchen“ oder „Man darf hier nicht rauchen.“ Wäre ich der rauchende Gast, so würde ich eindeutig die „Man“-Form bevorzugen, denn sie pickt mich nicht als einzigen Übeltäter heraus, sondern sagt: Das ist hier eine allgemeine Regel, gilt nicht nur für dich allein.“ Wie dumm klingt es denn bitteschön, wenn die Kellnerin zu mir sagt: „Wir dürfen hier nicht rauchen.“ Na super, möchte ich mich denn mit der Kellnerin verbrüdern? Und wer ist „wir“? Meint sie „Wir, die Belegschaft hier“ oder „Wir, alle Anwesenden?“ Das Wörtchen „man“ ist in diesem Zusammenhang zurückhaltender und auch deutlicher.

Wenn ich sage „Einen Regenwurm aufheben, nee, das kann ich nicht!“, ist das eine kräftige Aussage. Jedermann weiß, dass ich eine Hand mit fünf Fingern habe, die in ihrer Beweglichkeit durchaus dazu ausreichen, einen Regenwurm zu fassen, anzuheben und vorsichtig von der Straße in den nächstgelegenen Garten zu transportieren. Sage ich nun aber (ha!), „Ich will den Regenwurm nicht aufheben“, würde das zu Rückfragen führen. „Warum willst du das nicht? Hast du eine Handverletzung?“ „Nein, ich will das nicht, weil ich mich vor dem Wurm ekle.“ „Ach so, danke für die Erläuterung.“ Ja, das ging schnell. Sage ich „Ich kann den Wurm nicht aufheben!“ wird doch in entsprechender Situation kein normaler Mensch (der nicht Trainer oder Coach ist) altklug seine Stimme erheben: „Natürlich kannst du das, du hast eine Hand, du hast Finger. Aber du willst den Wurm nicht anheben, weil du dich – vermutlich wie viele andere Menschen auch – davor ekelst“. Ein „Ich will den Regenwurm nicht aufheben“ ist aber durchaus etwas anderes, denn es könnte ja sein, ich finde ihn auf der Straße hübscher? Ich mag den Sprachgebrauch auch nicht aus seinem Kontext reißen, denn es gibt ungeschriebene Regeln, die jeder versteht.

Und dann das Hammervermeidungswort „aber“. Ich wüsste so auf Anhieb keine Sprache, die das „aber“ nicht enthält (ich lasse mich da gern belehren, ich habe ja nicht alle Sprachen dieser Welt erlernt). Daraus schließe ich jetzt messerscharf, dass dieses Wort für die Verständigung durchaus notwendig ist. Natürlich sage ich meiner Freundin nicht „Das Kleid ist schick, aber an dir sieht es scheußlich aus“. Da liegt der Fehler aber (ha!) nicht im Gebrauch von aber, sondern in meiner hässlichen Denkweise über meine Freundin. „Das neue Kleid ist schick, aber ein weißer Gürtel sähe besser dazu aus.“ Laut Trainer-Ideologie mache ich der Freundin mit dem „aber“ das Kleid komplett mies, weil ich alles, was vor „aber“ steht, durch das „aber“ negiere. Nö, tue ich nicht. Ich schränke ein. Und wenn meine Freundin nicht gerade einen Train-the-Trainer-Kurs besucht hat, der sich in solchen Spitzfindigkeiten verliert, wird sie das auch richtig verstehen: als meinen Versuch, das schöne Kleid für sie noch besser aussehen zu lassen. Natürlich würde ich einer Nachbarin, die ich nicht so gut kenne, nur sagen: „Ihr neues Kleid ist schick!“. Einfach deshalb, weil mir der Anstand verbietet, meiner Nachbarin Ratschläge zu geben, die die persönliche Distanz unterschreiten.

Mittlerweile vermeide ich „kann“, „man“ und „aber“ nicht mehr (krampfhaft). Meine beste Freundin ist immer noch meine beste Freundin, auch wenn ich ihre Sachen gelegentlich mit einem „aber“ versehe, wie sie das bei mir auch macht. Ohne dass ich ihr einen Vortrag über „aber“ halte.

Wörter, die es gibt, haben eine Funktion und sind Teil der Sprache. Es gibt Wörter, die aussterben, weil sie nicht mehr benötigt werden. Wer „man“, „kann“ und „aber“ ausmerzen möchte, sollte sich vielleicht einmal Gedanken darüber machen, dass Sprache nicht schwarz und weiß ist, dass manche Wörter Nuancen bringen, die nicht so negativ sein müssen, wie ein willkürlich ausgewähltes Beispiel denken lässt. Ja, dass sie sogar Vorteile bringen.

Wobei ich es durchaus für sinnvoll halte, einmal über diese Dinge nachzudenken, über den Gebrauch von “kann“, “man“ und “aber“ und sie vielleicht in dem einen oder anderen Zusammenhang einmal zu überdenken, eher wohl im Schriftlichen. Es gibt auch Menschen, ohne Zweifel, die sich hinter zahlreichen „man“ verstecken, weil sie unbemerkt ein Regelwerk aufstellen wollen. Aber (ha!) wer nicht vollends auf den Kopf gefallen ist, merkt das auch, ohne die „man“ im Satz abzuzählen.

Ich greife noch einmal ein Beispiel von oben auf: „Du hast ein schönes Kleid an, Marlies. Mir würde es besser stehen“ finde ich keinesfalls schonender als „Du hast ein schönes Kleid an, aber mir würde es besser stehen.“

Der Zusammenhang macht die Musik. 😉

 

 

Ehrenrettung von man, kann und aber (1/3)

Man kann es auch deinstallieren

Als ich im April 2016 mein aktuelles Smartphone gekauft habe, war mir klar: WhatsApp, so ein Teufelszeug, kommt mir nicht aufs Handy! Diese Einstellung hielt etwa fünf Tage, bis ich feststellte, dass fast alle meine Freunde und Verwandten WhatsApp benutzten. Sollte da doch etwas dran sein? Flugs installiert, aber ich hatte Vorbehalte. Im Profil von WhatsApp kann man auch einen kleinen Leitsatz, ein Motto eingeben. Bei mir wurde es: Man kann es auch deinstallieren. Nur am Rande: Ich benutze WhatsApp mittlerweile häufig und mit Begeisterung.

Ich hätte auch schreiben können: „Wir können es auch deinstallieren. Ich kann es auch deinstallieren. Du kannst es auch deinstallieren.“ Das ließe sich noch weiter verbessern in: „Wenn die App so schlimm und unnütz ist, wie ich dachte, werde ich sie deinstallieren. Wir haben die Möglichkeit, die App zu deinstallieren. Du bist sicher in der Lage, die App zu deinstallieren.“

Jede dieser Varianten ist im Sinne des Train-the-Trainer- und Coach-Gebrauchs viel besser. Kann und man sind Teufelswörter, die, schlimmer noch als WhatsApp, unbedingt vermieden werden müssen. Ähnlich übrigens wie das kleine Wörtchen „aber“, denn noch nicht gemerkt: Jedes „aber“ schwächt ab, was vorher kam, oder negiert es völlig. Beispiel: „Du hast ein schönes Kleid an, Marlies.“ Zu vergleichen mit „Du hast ein schönes Kleid an, aber mir würde es besser stehen.“ (Was rein sachlich einmal dahingestellt sein mag.)

Als ich vor circa zwanzig Jahren an einer Ausbildung „Train the Trainer“ teilnahm (heute sagt man, pfui: sagen wir nicht mehr Trainer, sondern Coach), wurde mir dieser Sprachgebrauch und seine Boshaftigkeit nähergebracht. Ich gestehe ehrlich: Ich fand das überzeugend. Es gibt so viele schöne Argumente dafür:

Aber sollten wir gar nicht verwenden, denn aber nimmt zurück, was wir vorher gesagt haben. Wie an dem Beispiel mit der Freundin gezeigt, kann man sich damit Freunde zu Feinden machen. Oder Freundinnen zu Feindinnen.